Der Schatten hinter der Porzellankrone 🏰
Elena presste den Hörer ans Ohr, während sich das Taxi in den dichten Verkehr der Innenstadt schlängelte. Das Stimmengewirr der Stadt bildete einen brutalen Kontrast zur bedrückenden Stille des Anwesens De la Torre. Am anderen Ende der Leitung vermittelte der gleichmäßige Atem von Don Roberto, dem gefürchtetsten Anwalt der Hauptstadt, eine seltsame, aber notwendige Ruhe.
„Bist du dir sicher, was du tun wirst, Elena?“, fragte die reife Stimme mit ernstem Unterton. „Sobald ich diese Akte öffne, gibt es kein Zurück mehr für die Familie De la Torre. Oder für Mateo.“
„Mateo hat seine Entscheidung getroffen, als er das Papier hinter meinem Rücken unterschrieben hat“, erwiderte Elena und beobachtete die Spiegelungen des leichten Regens auf der Fensterscheibe 🌧️. „Ich habe meine getroffen, als ich durch diese Tür ging.“
„Gut. Wir sehen uns in zwanzig Minuten in meinem Büro. Bring den roten Umschlag mit.“
Elena legte auf und atmete tief durch. Der Schmerz in ihrer Brust war noch da, pochte wie eine offene Wunde, doch die Schockstarre war verflogen. Die Trauer war einer kalten, entschlossenen Klarheit gewichen.
Drei Jahre lang hatte sie geglaubt, ihre Ehe mit Mateo sei die natürliche Folge einer leidenschaftlichen Liebe, die alle gesellschaftlichen Grenzen überwand. Sie, eine junge Kunstrestauratorin einfacher Herkunft, aber mit makellosem Talent; er, der Erbe eines der größten Immobilienvermögen des Landes. Sie hatte Doña Valerias Feindseligkeit immer nur für das Klischee der aristokratischen Schwiegermutter gehalten, die auf ihren Status eifersüchtig war.
Wie sehr sie sich doch geirrt hatte.