Es war fast elf Uhr abends. Mitten im Zimmer stand ein kleiner weißer Sarg, umgeben von Lilien, Kerzen und Beileidskarten. Ihre sechsjährige Enkelin Chloe war offenbar nach einer plötzlichen Krankheit gestorben. Die Beerdigung sollte am nächsten Morgen stattfinden.
Eleanors Sohn Julian und seine Frau Victoria waren nach oben gegangen, um sich auszuruhen. Sie sagten, sie hätten kaum geschlafen, seit Chloes Zustand sich verschlechtert hatte.
Eleanor blieb unten, weil sie nicht gehen konnte, ohne sich ein letztes Mal von ihrer Enkelin zu verabschieden.
Zuerst dachte sie, die leise Stimme sei nur eine grausame Einbildung, hervorgerufen durch die Trauer.
Doch sie ging auf den Sarg zu und hob langsam den Deckel an.
Chloe öffnete die Augen.
Sie atmete schwach, aber sie lebte.
„Oma …“, flüsterte das Mädchen. „Bitte verlass mich nicht.“
Eleanors Schock wich sofort Entschlossenheit.
Chloe wirkte fiebrig, erschöpft und desorientiert. Es war offensichtlich, dass sie dringend ärztliche Hilfe benötigte.
Als Eleanor ihre Enkelin vorsichtig hochhob, schossen ihr all die seltsamen Ausreden der letzten Monate wieder durch den Kopf.