Ricardo Calderóns Hände waren von der Sonne schwielig, sein Rücken kerzengerade, und am Ende des Tages wartete niemand auf ihn.
Jeden Morgen, noch bevor die ersten Sonnenstrahlen hinter den Bergen erschienen, fuhr er bereits über seine Ranch. Er kontrollierte die Zäune, fütterte das Vieh, holte Wasser aus dem Bach und reparierte, was der Wüstenwind in der Nacht angerichtet hatte.
Elf Jahre lang erledigte er alles selbst.
Die El Encino Ranch machte von der Straße aus keinen guten Eindruck. Das Haus hatte ein notdürftig geflicktes Dach aus unregelmäßigen Wellblechplatten, zwei Scheunen neigten sich leicht nach links, und die Wände des Pferchs zeugten von vielen Dürreperioden. Doch Ricardo kannte jeden Quadratzentimeter des Landes und jedes seiner rund 200 Rinder.
Das Land war karg, unerbittlich und fordernd. Es belohnte nur diejenigen, die nicht aufgaben.
Und Ricardo Calderón gab niemals auf.
San Jerónimo del Polvo war eine Grenzstadt im Norden Mexikos, erbaut an einem Handelsweg für Händler, Maultiertreiber und Postkutschenfahrer. Sie wuchs schneller, als sie gute Manieren lernte. Es gab eine Steinkirche, einen Gemischtwarenladen, eine Schmiede, eine kleine Schule und drei Gaststätten, in denen die Männer ihre unausgesprochenen Streitigkeiten bei einem Glas Aguardiente beilegten.
Es gab genug Klatsch und Tratsch, um die Straßen zu füllen.
Die Meinung der Stadtbewohner über Ricardo war eindeutig: ein ehrlicher und fleißiger Mann, der zur Einsamkeit verdammt war.
„Er ist zu still“, sagten die Frauen vor dem Stoffladen. „Ein Mann, der so wenig spricht, muss eine große Traurigkeit verbergen.“
Die Männer respektierten ihn. Ricardo lieh sich nie Geld, ohne es zurückzuzahlen, verweigerte nie die Hilfe während der Viehbrandsaison und war immer zur Stelle, wenn ein Sturm das Dach vom Haus eines Nachbarn riss.
Doch Respekt und Zuneigung sind zwei verschiedene Dinge, und Ricardo zahlte immer nur eines von beiden.
Eine Frau spielte eine wichtige Rolle in seinem Leben. Sie hieß Clara und war sieben Jahre zuvor auf die Ranch gekommen, um seine Frau zu werden. Nachdem sie das Haus, die ausgedörrten Felder und Ricardos raue Hände gesehen hatte, sprach sie mit ihm mit einer Sanftheit, die ihre Worte umso schmerzlicher machte.
„Du bist ein guter Mann, Ricardo, aber ich brauche ein erfüllteres Leben.“
Sie war nicht grausam. Sie ging einfach.
Von da an suchte Ricardo keine Frauen mehr. Er aß allein, reparierte allein die Zäune und verbrachte die Nächte auf der Veranda, dem fernen Blöken der Rinder lauschend.