In diesen fünf Tagen behandelte Mariana ihre eigene Mutter wie eine Verbrecherin.
Sie kontrollierte jede einzelne Pappkiste, damit Elena ja nichts Wertvolles mitnahm. Sie riss ihr ein kostbares Talavera-Geschirr aus Puebla aus den Händen, das Elenas Großmutter gehört hatte, und verbot ihr sogar, die schweren Familienfotoalben mitzunehmen.
Am letzten Tag schaffte Elena es, zwei alte Koffer in den Kofferraum ihres abgenutzten weißen Tsuru zu laden. Mariana kam auf die Veranda des luxuriösen Hauses, mit einem Ausdruck völliger Ungeduld im Gesicht.
„Mach kein Telenovela-Drama daraus. Geh dorthin und leb da. Vielleicht lernst du endlich, allein etwas wert zu sein. Hau ab in deine Hütte mit den Hühnern, alte Durchfütterte! »
Elena fuhr zwei Stunden über die gefährliche Straße, das Gesicht nass vor Tränen. Als sie in der Sierra von Amealco ankam, schnitt der eisige Nachtwind erbarmungslos durch die morschen Bretter der Hütte.
In der ersten Nacht schlief sie auf dem kalten Lehmboden, nur mit einer dünnen Decke, die Arme fest um ihre Tasche geschlungen. Ihr Herz war zerbrochen vom brutalen Hass ihres eigenen Blutes.
Doch niemand auf der Welt, nicht einmal die grausame und gierige Mariana, konnte ahnen, welches Geheimnis Roberto sorgfältig unter genau diesem Lehmboden vergraben hatte.
Die ersten fünfzehn Tage in der unwirtlichen Sierra wurden für Elena zu einer stillen, zermürbenden Folter. Jeden Morgen, noch vor Sonnenaufgang, schleppte sie vier schwere Eimer Wasser von einem Gemeinschaftsbrunnen herbei, der mehrere Kilometer entfernt lag.
Sie kochte ihre wenigen Lebensmittel auf einer improvisierten Platte mit Holz, das ihr eine barmherzige Nachbarin schenkte. Nachts saß sie im Licht von zwei Wachskerzen, die sie im einzigen kleinen Laden des Dorfes gekauft hatte.
Ihre früher gepflegten Hände füllten sich mit schmerzhaften Rissen und Schwielen. Doch der körperliche Schmerz war nichts im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte.
Eines Tages klingelte ihr Handy, das in den Bergen kaum Empfang hatte. Es war ihre ältere Schwester Teresa.
„Elena, was für eine Schande. Mariana hat uns gerade erzählt, dass du bei der Testamentseröffnung einen schrecklichen Skandal gemacht und den Anwalt bedroht hast. Sie sagt, du belästigst sie mit Nachrichten und verlangst Geld aus ihrer Erbschaft. »
„Teresa, bitte, das ist eine absolute Lüge », antwortete Elena, während ihr die Kehle eng wurde. „Sie hat mich ohne einen Peso auf die Straße gesetzt. »
Am anderen Ende blieb es totenstill. Dann legte Teresa auf.