In Gegenwart anderer war sie still.
Und sie sah Ryan immer an, als wäre er der Mittelpunkt ihrer Welt.
Auf einer Weihnachtsfeier in Seattle war Chloe ihm den ganzen Abend praktisch auf Schritt und Tritt gefolgt. Sie lachte über jeden Witz. Immer wieder suchte sie nach Gelegenheiten, ihn zu berühren. Sie betrachtete ihn mit unverkennbarer Bewunderung.
Als Claire ihn später darauf ansprach, wiegelte Ryan sofort ab.
„Du denkst zu viel darüber nach.“
Dann sagte er den Satz, der ihm nun fast schon zu einstudiert vorkam.
„Du bist unsicher.“
An diesem Dienstagmorgen nahm Claire wegen eines dringenden Problems mit einem Lieferanten bei der Arbeit einen Flug um 7:00 Uhr nach Denver. Erschöpft vom fast vollständigen Schlafmangel ging sie durch die Sicherheitskontrolle und kaufte sich vor dem Einsteigen noch einen überteuerten Kaffee am Flughafen.
Ryan hatte ihr gesagt, er fliege nach Portland.
Vor dem Einsteigen schrieb Claire ihm eine SMS:
Guten Flug. Ich liebe dich.
Er antwortete fast sofort:
Ich dich auch. Boarding nach Portland.
Claire steckte ihr Handy weg und ging zu Reihe 14.
Sie nahm den Fensterplatz ein und schloss die Augen.
Dann hörte sie seine Stimme.
„Nimm den Fensterplatz, Schatz.“
Ihr ganzer Körper erstarrte.
Langsam beugte sie sich zum Gang und blickte zur ersten Klasse hinauf.
Ryan stand dort und half Chloe, ihr Gepäck in die Gepäckablage zu heben.
Wie ein Ehemann, der seiner Partnerin hilft.
Chloe trug einen cremefarbenen Mantel, den Claire sofort von einem Foto einer Firmenveranstaltung vor Monaten wiedererkannte. Und das Lächeln, das sie Ryan schenkte, war nicht professionell.
Es war besitzergreifend.
Claire spürte, wie ihr der Atem stockte.
Aber sie blieb vollkommen gefasst.
Sie schrie nicht.
Sie brach nicht zusammen.