Ein deutscher General zwang eine französische Gefangene zur Schwangerschaft und ignorierte dabei die Folgen…

Ich wusste, es war Schmerz. Ich war allein. Die Dorfbewohner sahen mich anders an, nicht mit Mitleid, sondern mit Angst, als wäre ich eine lebende Erinnerung an eine Vergangenheit, die sie vergessen wollten. Frankreich sehnte sich nach einem Neuanfang, nach Wiederaufbau, nach Zukunft. Frauen wie ich, die die Narben des Krieges an Leib und Seele trugen, passten nicht in dieses neue Bild.

Also tat ich, was von mir erwartet wurde. Ich schwieg. Ich fand Arbeit als Näherin in einer Werkstatt in Orléans. Ich mietete ein kleines Zimmer über einer Bäckerei. Ich fertigte Brautkleider für Frauen an, die noch an Märchen glaubten. Abends ging ich nach Hause. Ich aß allein. Ich schlief ein und dachte an meinen Sohn.

Wie sah er jetzt aus? War er fünf? Sechs? Konnte er lesen? Hatte er Angst vor der Dunkelheit, so wie ich in seinem Alter? Hatte man ihm gesagt, er sei ein Waisenkind? Hatte man ihn über meine Identität belogen? Diese Fragen ließen mich nicht los, aber ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Ich kannte nicht einmal seinen Namen. Ich wusste nicht, in welche Stadt, in welches Land er geschickt worden war. Doch 1953 änderte sich alles. Ich erhielt einen Brief, einen einfachen Umschlag ohne Adresse, aus München. Darin stand ein einziger handgeschriebener Satz auf Deutsch: „Wenn Sie wissen möchten, was mit Ihrem Sohn geschehen ist, kommen Sie bitte am 12. März um 14 Uhr zu dieser Adresse.“

Es verschlug mir den Atem. Meine Hände zitterten so stark, dass ich den Brief auf den Tisch legen musste, um ihn noch einmal zu lesen. Wer hatte ihn mir geschickt? Woher wusste diese Person, wer ich war? War es eine Falle? Aber ich wusste, ich würde gehen. Trotz der Gefahr, trotz des Schocks. Am 12. März 1953 bestieg ich den Zug nach München. Zum ersten Mal seit meiner Rückkehr verließ ich Frankreich.

Jeder Kilometer, den ich ging, weckte Erinnerungen, die ich zu verdrängen versucht hatte: die Uniformen, die auf Deutsch gebrüllten Befehle, der Geruch des Lagers. Die angegebene Adresse war ein graues Gebäude in einem Münchner Arbeiterviertel. Ich stieg die Treppe in den dritten Stock hinauf, mein Herz hämmerte so heftig, dass ich glaubte, es würde mir aus der Brust springen. Ich klopfte an die Tür.