— Evelyn… — wiederholte er leise. — Sie… sind Lauras Mutter…
Sie senkte den Blick. In ihrem Gesicht war weder Zorn noch Bitte — nur Müdigkeit.
Ja. Es war seine ehemalige Schwiegermutter. Genau jene Familie, von der er sich einst für immer getrennt hatte.
Nachdem seine Frau ihn verlassen hatte… ihre Sachen gepackt und mit ihrem Liebhaber ins Ausland gegangen war.
Ohne Erklärungen. Ohne Abschied.
Damals reichte er die Scheidung ein und schwor, nie wieder etwas mit ihren Verwandten zu tun zu haben.
Er dachte, ihr Leben sei irgendwo weit weg — wohlhabend, fremd, ohne Bezug zu ihm.
— Warum… sind Sie hier? — fragte er schließlich schon sanfter.
Im Büro schwieg sie lange und hielt den Rand ihres alten Tuchs fest.
— Mein Sohn… lebt nicht mehr, — flüsterte sie. — Er starb letzten Winter… das Herz… Und Daniel… mein Enkel… wenn ich ihn nicht ernähren kann, wird man ihn… ins Kinderheim bringen… Die Rente reicht nicht. Also verkaufe ich Blumen… so viel ich kann…
Die letzten Worte sprach sie fast lautlos.
Der Leiter wandte sich zum Fenster. Sein Kiefer spannte sich an. Alles, was er wusste, zerfiel plötzlich.
Sie lebten kein glückliches Leben. Sie überlebten.
Nach einer Minute drückte er abrupt den Rufknopf.
— Alle hereinkommen.
Als die Mitarbeiter eintraten, sprach er bereits mit seiner gewohnten festen Stimme:
— Protokoll annullieren. Keine Geldstrafen. Keine Anklagen. Die Frau sofort freilassen. Das ist ein Befehl.
Auf der Wache wurde es still.
Er half Evelyn persönlich aufzustehen, reichte ihr vorsichtig den Eimer mit den Blumen und sagte leise:
— Man wird Sie nicht mehr hierher bringen.
Sie nickte nur und fand keine Worte.
Und einen Monat später brachte der Postbote ihr zum ersten Mal einen Umschlag ohne Absender.
Dann noch einen. Und noch einen.
Jeden Monat lag darin derselbe Betrag — genau so viel, dass es für Brot, Medikamente und Schulhefte für Daniel reichte.
Und seit diesem Tag ging Evelyn immer seltener mit Blumen zur Kreuzung.
Und der Polizeichef erzählte niemals jemandem, warum in seinen persönlichen Ausgaben eine neue Position erschienen war…
Er wusste nur: Manchmal ist Pflicht nicht das Gesetz. Manchmal ist Pflicht, ein Mensch zu bleiben.