Statt den Fahrer zu rufen, beschloss ich zu Fuß zu gehen.
Vielleicht brauchte ich einfach frische Luft.
Vielleicht war ich es leid, ständig von einem Zimmer ins andere zu laufen.
Ich hatte gerade die Ecke erreicht, als mich eine kleine Stimme anhielt.
„Entschuldigen Sie?“
Ich drehte mich um, bereit, mich höflich zu entschuldigen.
Da sah ich sie.
Ein kleines Mädchen.
Fünf Jahre alt, nicht älter.
Blonde Zöpfe.
Ein verwaschenes blaues Kleid.
Ein Rucksack mit geflickten Trägern hing über meiner Schulter.
Und Schuhe, die so abgetragen waren, dass man sie kaum noch Schuhe nennen konnte.
Die Seiten waren zerrissen.
Die Sohlen lösten sich ab.
Kleine Zehen lugten aus den Löchern im Stoff hervor.
Aus irgendeinem Grund berührte mich dieses Detail mehr als alles andere.
Diese kleinen Zehen.
Die versuchten, in abgetragenen Schuhen zu überleben.
„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte ich.
Sie schluckte nervös. Dann sah sie mir direkt in die Augen.
„Alle lachen mich aus.“
Ihre Stimme war sanft.
Aber bestimmt.
„Ich brauche nur neue Schuhe für die Schule.“
Ich sah sie an.
Keine Manipulation.
Keine dramatische Geschichte.
Nur Ehrlichkeit.
Sie hob ihren Fuß.
„Mein Schuh tut weh.“
Etwas in mir veränderte sich.
Ein Gefühl, das ich lange nicht mehr gespürt hatte.
Kein Mitleid.
Etwas Tieferes.
„Wie heißt du?“
„Sophie.“
Ich lächelte.