Meine liebe Iris.
Auf einigen Briefen stand Claras Handschrift. Auf einem anderen die meines alten Professors. Die einer Freundin aus dem Studium. Die eines ehemaligen Kollegen aus dem Forschungslabor.
Briefe, die ich nie erhalten hatte.
Jahrelang hatte Jason Stimmen abgefangen, bevor sie mich erreichen konnten.
Ich öffnete den ersten Brief von Clara.
Iris, ich weiß nicht, warum du nicht antwortest. Ich war gestern da, aber Jason meinte, du hättest geschlafen. Ich habe dir deinen Lieblings-Zitronenkuchen dagelassen. Ich hoffe, er hat ihn dir gegeben. Ich vermisse dich. Mir ist egal, was er über das Geschehene zwischen uns sagt. Du bist in erster Linie meine Schwester.
Die Worte verschwammen.
Clara war ins Haus gekommen.
Jason hatte mir gesagt, sie hätte aufgegeben.
Ich drückte den Brief an meine Brust.
Für ein paar Minuten war der Rechtsstreit vergessen. Die Firma war wie vom Erdboden verschluckt. Das Geld, die Villa, die Autos, die Jason mir im Gerichtssaal wie Waffen an den Kopf geworfen hatte – all das verblasste angesichts der stillen Verwüstung, die diese ungeöffneten Umschläge mit sich brachten.
Er hatte nicht nur Besitz genommen.
Er hatte Zeugen meines Lebens mitgebracht.
Madison gab hinter mir ein leises Geräusch von sich.
Ich drehte mich um und sah Tränen in ihren Augen.
„Es tut mir leid“, sagte sie.
Ich konnte ihr nicht verzeihen. Vergebung ist keine Tür, an die man einfach klopfen und erwarten kann, dass sie sofort geöffnet wird. Aber in diesem Moment glaubte ich, sie begriff endlich, dass sie neben einem Mann gestanden hatte, den sie nicht wirklich kannte.
Der Sachverständige nahm den USB-Stick heraus.
„Wir brauchen ein ordentliches Image davon“, sagte er.
Daniel nickte. „Ab jetzt muss die Beweiskette lückenlos dokumentiert werden.“
Während der Experte den Stick in einen Beweismittelbeutel legte, erschien Mr. Albright mit bleichem Gesicht in der Tür.
„Eine Frau in der Lobby fragt nach Mrs. Mitchell“, sagte er.
Daniel sah mich an. „Was, Mrs. Mitchell?“
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