Valeria inszenierte vor den Fernsehkameras eine perfekte Szene. Alle glaubten der reichen Blondine und traten gnadenlos auf das Kindermädchen ein. Doch niemand hatte damit gerechnet, dass Sofía ein altes Handy mit einer zerrissenen Einhornhülle versteckt hatte.
„Ich habe das aufgenommen“, sagte das Mädchen und hielt das Gerät mit ihren schmutzigen kleinen Händen hoch.
Als der Richter anordnete, es mit dem Bildschirm zu verbinden, entstand eine Atmosphäre, in der niemand ahnte, was nun geschehen würde … Justizgewalt
TEIL 2
Sofías Handy wurde mit einem riesigen Bildschirm vor dem Richtertisch verbunden. Der gesamte Gerichtssaal versank in bedrückender Stille. Valeria blieb wie angewurzelt stehen, ihr giftiger Blick auf ihre Stieftochter gerichtet.
„Euer Ehren“, unterbrach der Staatsanwalt schweißgebadet, „dies ist kein zulässiges Beweismittel.“
Der Verteidiger schlug mit der Hand auf den Tisch. „Ein minderjähriges Mädchen wurde Zeugin eines Mordes! Diese Beweise zu ignorieren, wäre eine widerliche Verhöhnung der mexikanischen Justiz.“
Der Richter rückte seine Brille zurecht und musterte das Mädchen eindringlich. „Hast du das Video aufgenommen, Kleine?“
Sofia nickte. „Ich habe mich im Schrank versteckt, weil Valeria mich schrecklich bestraft hat.“
Das Video begann zu laufen. Es war dunkel, vom Boden des Zimmers aus gefilmt. Arturos luxuriöses Büro war zu sehen, nur von einer Lampe erhellt. Plötzlich erschien Valeria, ungeschminkt und ohne Designerkleidung. Sie trug einen Seidenmorgenmantel, ein Glas in der Hand, und ihr Gesicht war von Wut verzerrt. Fernseh- und Videoausrüstung.
„Unterschreib endlich die verdammten Papiere“, sagte ihre kalte, berechnende Stimme.
Arturo erschien, saß in seinem Ledersessel, schweißgebadet und mit den Händen an der Brust. „Ich unterschreibe nichts. Ich rufe morgen meinen Anwalt an und reiche die endgültige Scheidung ein.“
Ein Raunen des Entsetzens ging durch den Gerichtssaal, als der Millionär sprach.
Valeria lachte bitter auf. „Und was wollen Sie jetzt sagen? Dass ich Ihr kleines Waisenmädchen schlecht behandle? Das glaubt Ihnen doch keiner, im Ernst. Die gesamte Presse vergöttert mich, Ihre Geschäftspartner lieben mich, und ich bin in den Augen der Gesellschaft die perfekte Ehefrau.“
Arturo versuchte aufzustehen, sank aber auf die Knie. „Was zum Teufel haben Sie mir ins Getränk gemischt?“, stammelte er und verlor völlig die Kontrolle über seinen Körper.
Das Video brach abrupt ab, und im Gerichtssaal brach Empörung aus. Lupita weinte still und erinnerte sich daran, wie sie neun Monate lang ihre Unschuld beteuert hatte. Doch in diesem Land ist die Justiz oft blind für die Reichen und taub für eine einfache Hausangestellte.
Der Richter schlug verzweifelt mit dem Hammer auf den Tisch. „Gibt es noch weitere Dateien auf diesem Telefon, junge Dame?“
Sofia schluckte schwer. „Ja … aber Valeria hat mich gefunden und mir mein Handy weggenommen. Ich habe es erst gestern Abend wiederbekommen.“
„Und wie sind Sie ganz allein hierhergekommen?“, fragte der Richter sichtlich interessiert.