Sie fuhren nach Cancún, während sie ihren 12-jährigen Sohn beerdigte… als sie zurückkehrten, passten die Schlüssel zu keiner Tür mehr.

Es herrschte Stille.

Dann antwortete Teresa zögernd:

„Oh, Liebling … das geht nicht. Morgen fahren wir mit Renata und Oscar nach Cancún.“

Laura hatte das Gefühl, sie hätte sie falsch verstanden.

„Was hast du gesagt?“

„Die Reise ist schon bezahlt. Sie hat 8.000 Dollar gekostet. So viel Geld können wir uns nicht leisten.“

„Mama, Daniel war dein Enkel.“

„Und das tut mir sehr weh, aber du wirst das verkraften. Das kannst du immer.“

Laura legte zitternd auf.

Minuten später rief Renata an.

„Fang bloß nicht mit deinem Drama an, Laura. Ich bin schwanger und brauche Ruhe. Ich werde meinen Urlaub nicht absagen, nur weil du trauerst.“

„Mein Sohn ist gerade gestorben.“

„Ja, und es ist wirklich furchtbar. Aber sein Tod ist dein Problem, nicht meins.“

Laura schloss die Augen.

In diesem Moment begriff sie, dass sie nicht mit ihrer Schwester sprach.

Ich hörte einer Fremden zu, die mit einer vertrauten Stimme sprach.

Daniels Beerdigung fand an einem Donnerstag statt.

Ihre Lehrerin, einige Klassenkameraden, Nachbarn, Martíns Freunde und Clara, Lauras beste Freundin, waren da.

Ihre Familie kam nicht.

Als der weiße Sarg langsam hinabgelassen wurde, stellte sich Laura vor, wie ihre Mutter Sonnencreme auftrug, ihr Vater Garnelen bestellte und Renata ihr über den Bauch streichelte, um ein schönes Foto zu machen.

In dieser Nacht ging Laura, noch in ihren schwarzen Kleidern, zu der Wohnung, in der Renata und Oscar mietfrei wohnten.

Er schloss sie mit seinem Schlüssel auf.

Und sie begann, alles einzupacken.

TEIL 2

Laura weinte nicht, während sie Kleidung in schwarze Säcke, Geschirr in Kartons und billige Dekoartikel in Luftpolsterfolie packte.

Er machte nichts kaputt.

Er schrie nicht.

Er fluchte nicht.

Er arbeitete mit einer fast beängstigenden Ruhe.

Jede Schublade, die er ausräumte, erinnerte ihn an die Jahre, für die er mit Geld, Zeit und Würde bezahlt hatte.

Da waren Renatas teure Schuhe, gekauft in demselben Monat, in dem sie Laura um Geld zum „Essen“ gebeten hatte.

Da war ein riesiger Fernseher, den Oscar bei Familienfeiern präsentierte, obwohl er nie Miete zahlte.

Da waren Familienfotos, auf denen alle lächelten, als wären sie vereint, als hätten sie einen zwölfjährigen Jungen bei seinem letzten Abschied nicht im Stich gelassen.

Laura beauftragte eine Umzugsfirma.

Er bat darum, all seine Sachen zu seinen Eltern zu bringen.

Er benutzte den Notfallschlüssel, den Teresa ihm Jahre zuvor gegeben hatte.

Die Umzugshelfer ließen die Umzugskartons im Zimmer zurück, die fast bis zum Fenster gestapelt waren.