Die ungewöhnlichen Bekanntschaften meines Vaters

Zwölf Jahre lang glaubte Lola, ihr Vater würde nie wieder bereit sein, einer neuen Liebe eine Chance zu geben. Als er schließlich den Mut fasste und wieder auf Menschen zuging, schien das Leben langsam zurückzukehren. Doch jedes vielversprechende Kennenlernen endete auf dieselbe rätselhafte Weise. Die Frauen verschwanden plötzlich aus seinem Leben, obwohl zuvor alles perfekt verlaufen war. Lola konnte diesen Zufall nicht länger glauben und beschloss, selbst herauszufinden, was wirklich hinter den unerklärlichen Abschieden steckte.

Ağu 8, 2026 – 01:09
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3.

Mit klopfendem Herzen fuhr Lola direkt zu Sabrinas Haus. Je näher sie der Haustür kam, desto stärker hoffte sie, dass sie sich irrte. Doch gleich im Eingangsbereich lagen dieselben weißen Turnschuhe, die sie wenige Minuten zuvor auf den Aufnahmen der Überwachungskamera erkannt hatte. Als Sabrina die Bilder sah, wich jede Farbe aus ihrem Gesicht. Einen Moment lang versuchte sie noch, ruhig zu bleiben, doch schließlich sank sie auf einen Stuhl und schwieg. Dieses Schweigen sagte Lola bereits mehr als jede Erklärung. Nach einigen Sekunden hob Sabrina den Blick und wusste, dass sie die Wahrheit nicht länger verbergen konnte.
„Du bist Rachel gefolgt“, sagte Lola leise.
Sabrina nickte kaum sichtbar.
„Ja.“
„Und den anderen Frauen auch?“
„Allen.“
„Warum?“
Sabrina schloss die Augen.
„Weil ich nicht zulassen konnte, dass dein Vater eine andere Frau in sein Leben lässt.“
Lola konnte ihre Worte kaum fassen. Zwölf Jahre lang hatte ihr Vater versucht, nach dem Verlust seiner Frau langsam wieder Freude am Leben zu finden. Jedes Mal, wenn er glaubte, einen Menschen kennengelernt zu haben, der ihm guttat, war diese Hoffnung innerhalb weniger Stunden wieder zerstört worden. Nicht, weil die Treffen schlecht verliefen, sondern weil jemand im Hintergrund alles dafür tat, dass jede Beziehung endete, bevor sie überhaupt beginnen konnte.
„Du hast ihnen Nachrichten geschickt.“
„Ja.“
„Du hast sie beobachtet.“
„Ja.“
„Du hast ihnen Angst gemacht.“
Sabrina senkte den Kopf.
„Ich wollte nur verhindern, dass jemand den Platz deiner Mutter einnimmt.“
Lola schüttelte traurig den Kopf.
„Niemand wollte ihren Platz einnehmen.“
Sabrina begann zu weinen.
„Ich konnte einfach nicht akzeptieren, dass das Leben weitergeht.“
„Das Leben geht nicht weiter, weil man jemanden vergisst“, antwortete Lola ruhig. „Es geht weiter, weil Liebe und Erinnerungen nebeneinander existieren können.“
Zum ersten Mal seit Beginn des Gesprächs sah Sabrina ihre Nichte direkt an. Langsam wurde ihr bewusst, wie viel Schmerz sie nicht nur den Frauen, sondern vor allem Lolas Vater zugefügt hatte. Sie hatte geglaubt, seine Vergangenheit zu schützen, doch tatsächlich hatte sie ihm immer wieder die Chance genommen, wieder glücklich zu werden. Schließlich erklärte sie sich bereit, die Verantwortung für alles zu übernehmen. Sie entschuldigte sich bei Rachel und auch bei den anderen Frauen, soweit es möglich war. Außerdem begann sie, sich Unterstützung zu suchen, um ihre Trauer aufzuarbeiten und ihren Blick auf die Situation zu verändern.
Einige Monate vergingen. Lola beobachtete ihren Vater in dieser Zeit genau. Zunächst wollte er niemanden mehr kennenlernen. Zu tief saßen die Enttäuschungen der vergangenen Jahre. Doch eines Tages erzählte er ihr mit vorsichtiger Stimme von einer Frau namens Jocelyn. Diesmal verlief alles anders. Nach dem ersten Treffen meldete sie sich wieder. Nach dem zweiten schlug sie selbst ein weiteres Wiedersehen vor. Nach dem dritten Abend wartete Lola gespannt auf den nächsten Morgen. Zum ersten Mal blieb das Telefon ihres Vaters nicht stumm. Stattdessen hörte sie ihn lachen, als Jocelyn ihm eine Nachricht schickte.
Ein paar Wochen später besuchte Lola ihren Vater. Schon beim Öffnen der Haustür hörte sie leise Musik aus der Küche. Der Duft von frischem Kaffee lag in der Luft, und ihr Vater summte dieselbe Melodie, die er früher so oft gesungen hatte. Jocelyn deckte lächelnd den Tisch, während beide gemeinsam über eine kleine Alltagssituation lachten. Lola blieb einen Moment stehen und lächelte. Genau dieses Lachen hatte sie viele Jahre vermisst.
„Mama wäre stolz auf dich“, sagte sie leise.
Ihr Vater nickte gerührt.
„Ich werde sie immer lieben.“
„Das weiß ich.“
„Aber sie hätte niemals gewollt, dass ich aufhöre zu leben.“
Lola nahm ihn in den Arm. In diesem Augenblick wurde ihr klar, dass wahre Liebe niemals verlangt, das eigene Leben anzuhalten. Erinnerungen bleiben für immer, doch sie schließen neues Glück nicht aus. Erst als ihre Familie

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lernte, Vergangenheit und Zukunft miteinander zu verbinden, kehrte das zurück, was so viele Jahre gefehlt hatte: Hoffnung, Wärme und das ehrliche Lächeln ihres Vaters.