TEIL 3 – ICH GING TROTZDEM
Daniel und ich bekamen nicht plötzlich ein Happy End. So läuft das wahre Leben selten. Wir stritten uns ab und zu. Das Geld war immer noch knapp. Unsere Flitterwochen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Es gab Tage, an denen ich meine Mutter so sehr vermisste, dass ich sie fast anrief, nur um meinen Namen zu hören, obwohl sie ihn oft wie eine Anklage aussprach.
Ich begann auch eine Therapie. Ich lernte, dass Trauer nicht immer Reue bedeutet. Ich lernte, dass eine Grenze nicht unbedingt eine verschlossene Tür ist. Es ist eine Tür, deren Griff auf deiner Seite bleibt. Und ich lernte, dass man, sobald sich jemand wirklich für einen entscheidet, all die Orte wiedererkennt, an denen man sich einst nach Liebe sehnte.
Sechs Monate nach der Hochzeit kam ein gepolsterter Umschlag ohne Absender an. Darin befand sich ein kleines Fotoalbum. Zuerst nahm ich an, es sei von meiner Mutter. Meine Hände zitterten, als ich es öffnete. Stattdessen fand ich eine Nachricht von meinem Vater.
Emily,
ich habe das beim Aufräumen meines Büros gefunden. Ich weiß immer noch nicht, was ich sagen soll. Vielleicht ist es Feigheit. Vielleicht ist es Ehrlichkeit. Das gehört dir.
Das Album enthielt Fotos aus meiner Kindheit. Da war ich, mit fehlenden Vorderzähnen, mit Zöpfen, in meinem Fußballtrikot, mit einer Schleife vom Wissenschaftswettbewerb in der Hand, stolz bei meinem Schulabschluss. Auf fast jedem Foto hatte ich denselben Ausdruck: hoffnungsvoll. Als ob ich hoffte, dass mich jemand hinter der Kamera bemerken würde.
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