Die Alarme kamen einer nach dem anderen, und die Kabine um Liam schien enger zu werden, als würde sie sich in eine stickige, kaum erträgliche Falle verwandeln.
Er klammerte seine zitternden Hände an die Steuerung, versuchte, seinen jagenden Atem zu beruhigen, und ließ den Blick fieberhaft von einer Anzeige zur nächsten springen. Doch kein Bildschirm gab ihm ein klares Bild der Lage.
Jedes Instrument zeigte eine andere Version der Wahrheit.
„Kapitän… bitte, kommen Sie zu sich“, flüsterte er mit brechender Stimme.
Stevens reagierte nicht.
Er war kraftlos in seinem Sitz zusammengesackt, und sein Atem ging so flach und selten, dass Liam genau hinsehen musste, um sicher zu sein, dass der Mann noch lebte.
Genau in diesem Moment erzitterte das Flugzeug erneut heftig.
Das fühlte sich nicht wie gewöhnliche Turbulenzen an. Schwere, dumpfe Vibrationen liefen durch den Rumpf, und Liam begriff sofort, dass das Problem nicht draußen lag.
Etwas Ernstes geschah tief in den Systemen der Maschine. Vielleicht arbeitete das Flugzeug bereits am Rand dessen, was es noch verkraften konnte.
Verzweifelt versuchte er, sich an die Verfahren zu erinnern, an die Reihenfolge der Schritte, an alles, was helfen konnte, die Kontrolle zurückzugewinnen. Aber seine Gedanken verhedderten sich, und die Verantwortung drückte so schwer auf ihn, dass selbst vertraute Abläufe plötzlich sinnlos wirkten.
In der Passagierkabine waren die Erschütterungen noch stärker zu spüren. Menschen fuhren aus dem Schlaf hoch, Gespräche verstummten schlagartig, und die Ruhe eines gewöhnlichen Fluges verschwand in einem einzigen Augenblick.
Warren öffnete schon beim ersten harten Ruck die Augen.
Er reagierte schneller, als er irgendetwas analysieren konnte. Als sich das Flugzeug erneut zur Seite neigte, zog er Nora fester an sich.
Das Mädchen bewegte sich unruhig und krallte die Finger in den Ärmel seines Hoodies.
„Papa… was passiert hier?“
Warren antwortete nicht sofort.
Er hörte weder auf die panischen Stimmen der Passagiere noch auf die beruhigenden Durchsagen der Flugbegleiterinnen. Seine ganze Aufmerksamkeit galt den Triebwerken.
Ihr Rhythmus war ungleichmäßig, als würde eine Anlage die andere stören und den gesamten Mechanismus aus dem Gleichgewicht bringen.
So klang kein intakter Flug.
Die Anzeigen auf den Panels widersprachen einander.
Die Vibrationen des Rumpfs wurden stärker.
Der Autopilot hatte sich selbst abgeschaltet.
An Bord geschah etwas wirklich Gefährliches.
Als über die Sprechanlage die Bitte ertönte, dass sich Personen mit Erfahrung in militärischer Fliegerei melden sollten, regte sich in Warrens Gedächtnis plötzlich etwas.
Neun Jahre verschwanden, als hätte ein einziger kurzer Atemzug sie ausgelöscht.
Er erinnerte sich an das Versprechen, das er sich damals selbst gegeben hatte: um jeden Preis nach Hause zurückzukehren.
Und nun stellte das Schicksal ihn erneut vor eine Entscheidung, vor der es kein Entkommen gab.
Nora sah ihn mit weit geöffneten Augen an. Dieses stille Vertrauen war schwerer als jede Angst.
„Ich bin bei dir“, sagte er leise und bemühte sich, ruhig zu klingen. „Ich verschwinde nicht.“
Er richtete ihren Sicherheitsgurt, deckte sie mit einer Decke zu und hielt den Blick einen Moment auf ihrem Gesicht. Dann sagte er ganz ehrlich, ohne leere Versprechen:
„Ich tue alles, damit ich so schnell wie möglich zurückkomme.“
Das Mädchen ließ den Ärmel seines Hoodies nur widerwillig los.
Und als Warren aufstand, spürte er, wie die Vergangenheit zurückkehrte — nicht als Erinnerung, sondern als Körperwissen: in der Art, wie er sich aufrichtete, in seiner Aufmerksamkeit für die Instrumente, in der alten Gewohnheit, eine Maschine mit dem ganzen Körper zu fühlen.
Er ging nach vorn, wo Jillian bereits wartete.
Ihre professionelle Ruhe begann zu brechen, auch wenn sie weiter versuchte, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten.
„Ich habe Erfahrung in der militärischen Luftfahrt“, sagte Warren knapp.
Die Tür zum Cockpit öffnete sich fast sofort.
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