– Du bist nicht in der Nähe. Du bist schon in meine Schränke geklettert.
Oksana sagte leise:
— Wir wollten einfach nur zusammen sein…
— Warum befinden sich Ihre Sachen dann schon im Kinderzimmer?
Schweigen.
Valentina drehte sich abrupt um und ging in der Wohnung umher.
Und mit jedem Schritt stieg etwas Schreckliches in mir auf.
Die Kleiderschränke im Schlafzimmer waren offen.
Auf dem Stuhl lag der Bademantel einer anderen Person.
Im Badezimmer befanden sich Kinderzahnbürsten.
Und in Igors Büro hatte bereits jemand die Ordner in den Regalen umgestellt.
Langsam strich sie mit der Hand über den Tisch ihres Mannes.
Und plötzlich bemerkte ich, dass die Metallbox, in der die Dokumente aufbewahrt wurden, verschwunden war.
Valentina ging abrupt zurück in die Küche.
— Wo ist der Ordner aus dem Büro?
Die Schwiegermutter spannte sich an.
— Welcher Ordner?
– Spiel nicht mit mir.
Oksana sagte schnell:
— Wir haben nichts mitgenommen.
— Warum steht dann im Büro alles Kopf?
Nina Sergejewna spitzte die Lippen.
— Wir suchten nach Dokumenten.
– Welche?
— Zur Wohnung.
Valentina erstarrte.
Dann fragte sie noch einmal ganz langsam:
— Zur Wohnung?
— Wir müssen verstehen, was als Nächstes passieren wird.
— Während mein Mann noch in der feuchten Erde liegt, haben Sie schon nach Dokumenten gesucht?
Die Schwiegermutter erhob ihre Stimme:
Weil man alles umschreiben kann!
Valentina starrte sie an, als sähe sie sie zum ersten Mal.
— Meinst du das ernst?
— Ich bin Igors Mutter!
– Und ich bin seine Frau.
– War!
Dieser Satz klang so scharf, dass Oksana nach Luft schnappte.
Valentina schwieg einige Sekunden lang.
Dann ging sie zum Tisch.
Langsam nahm sie die Tasse ihrer Schwiegermutter.
Ich habe es beiseite geschoben.
Und sie sagte leise:
— Pack deine Sachen.
– Sag mir nicht, was ich tun soll!
— In zwanzig Minuten sollte Ihre Familie nicht mehr hier sein.
Du hast kein Recht dazu!
– Ich habe.
Das ist die Wohnung meines Sohnes!
„Nein. Das ist die Wohnung, die ich vor meiner Heirat von meinen Eltern bekommen habe. Und Igor wusste das ganz genau.“
Oksana wurde plötzlich kreidebleich.
Damit hatte sie ganz offensichtlich nicht gerechnet.
Die Schwiegermutter verstummte ebenfalls für einen Moment.
Doch fast sofort ging sie wieder zum Angriff über.
„Aha, so warst du also die ganze Zeit! Du hast dir alles selbst zugeschrieben!“
– Weil es meins war.
— Igor hat so viele Jahre hier gelebt!
— Lebte. Aber besaß es nicht.
Nina Sergejewna schlug plötzlich mit der Handfläche auf den Tisch.
– Ja, du musst deiner Familie helfen!
– NEIN.
— Nach allem?!
– Nachdem du am Tag der Beerdigung angefangen hast, meine Zimmer aufzuteilen, ganz bestimmt nicht.
Die Teenager blickten sich ängstlich an.
Oksanas Ehemann hatte bereits stillschweigend begonnen, die Koffer zu packen.
Ihm wurde schneller klar als den anderen, dass die Situation außer Kontrolle geriet.
Doch die Schwiegermutter hatte nicht die Absicht aufzuhören.
– Natürlich! Ihr werdet uns rausschmeißen! Die alte Frau! Die Verwandten meines Mannes!
— Nicht manipulieren.
– Du hast immer davon geträumt, uns von Igor wegzureißen!
– Das stimmt nicht.
— Wegen dir hatte er kaum noch Kontakt zu seiner Familie!
Valentina erhob zum ersten Mal im gesamten Gespräch ihre Stimme schrill:
— Denn jedes Mal, wenn du kamst, endete es mit Forderungen nach Geld, Reparaturen und der Bitte, jemanden unterzubringen!
Oksana geriet in Rage.
– Man muss sich jetzt nicht alles merken!
— Und wann? Wann werden Sie endlich hierher ziehen?
Die Schwiegermutter umfasste ihr Herz.
— Ich fühle mich schlecht…
Aber Valentina rührte sich nicht einmal.
Sie kannte diese Aufführungen nur zu gut.
Zu viele Jahre lang habe ich mit ansehen müssen, wie Nina Sergejewna in Wutanfälle gerät, genau in dem Moment, in dem das Gespräch nicht nach ihren Vorstellungen verläuft.
„Soll ich einen Krankenwagen rufen?“, fragte Valentina kühl.
Die Schwiegermutter richtete sich sofort auf.
Oksana zischte nervös:
– Mama…
Valentina näherte sich dem Flur.
Sie öffnete die Tür.
Und sie sagte laut:
Entweder Sie gehen jetzt selbst, oder ich rufe die Polizei und zeige Ihnen die Unterlagen für die Wohnung.
Die Schwiegermutter wurde kreidebleich.
Das würdest du dich nicht trauen…
— Sollen wir das überprüfen?
Oksanas Mann war bereits dabei, den Kindern die Jacken anzuziehen.
Okay, dann machen wir uns bereit.
„Wo fahren wir hin?!“, platzte es aus der Schwiegermutter heraus. „Die spinnt ja total!“
Valentina drehte sich abrupt um.
„Nein, Nina Sergejewna. Zum ersten Mal seit vielen Jahren kann ich alles perfekt sehen.“
Sie kam näher.
So nah, dass die Schwiegermutter unwillkürlich zurückwich.
„Du hast darauf gewartet, dass ich zusammenbreche. Dass ich allein und zufrieden bin. Dass du hierherkommen und anfangen kannst, mein Leben zu kontrollieren.“
– Rede keinen Unsinn…
– Unsinn – Ihre Kisten stehen drei Stunden nach der Beerdigung noch in meinem Flur.
Oksana konnte es plötzlich nicht mehr ertragen:
Weil Mama Angst hatte, dass du uns nicht mehr hierher lassen würdest!
Und sie hatte Recht, Angst zu haben.
Schweigen.
Schwer.
Taub.
Valentina öffnete den Kleiderschrank.
Ich habe einen Stapel Ersatzschlüssel herausgeholt.
Ich sah sie einige Sekunden lang an.
Und dann streckte sie ihre Hand aus:
— Die Schlüssel.
Die Schwiegermutter rührte sich nicht.
— Die Schlüssel zu meiner Wohnung.
– Ich besitze sie nicht.
– Lüge nicht.
Oksana sagte leise:
– Mama…
Nina Sergejewna griff langsam in ihre Tasche.
Ich habe den Schlüssel bekommen.
Ich warf es auf den Nachttisch.
Das Metall prallte mit einem lauten Klirren auf das Holz.
Und in diesem Moment wurde Valentina plötzlich klar, dass sie nicht mehr weinen wollte.
Überhaupt.
Die Tränen versiegten dort, auf dem Friedhof.
Hier bleibt nur noch Wut.
Und ein furchtbares Gefühl des Verrats.
Denn diese Leute haben nicht einmal bis zum Abend gewartet.
Sie ließen sie nicht einen einzigen Tag Witwe sein.
Sie sind bereits gekommen, um das Gebiet zu besetzen.
Als sich die Tür hinter den Angehörigen schloss, war die Wohnung plötzlich leer.
Es wurde still.
Es war so still, dass Valentina ein Klingeln in den Ohren bekam.
Sie ging langsam in die Küche.
Auf dem Tisch standen noch Tassen.
Brot öffnen.
Die Serviette von jemand anderem.
Als ob nach einer Razzia.
Valentina ging zum Spülbecken und fegte plötzlich alles vom Tisch.
Der Becher zerschellte auf dem Boden.
Die Löffel flogen in alle Richtungen.
Sie umfasste mit den Händen die Tischkante und begann schwer zu atmen.
Aber selbst jetzt konnte ich nicht weinen.
Nur die Schultern zitterten fein und zornig.
Wenige Minuten später klingelte das Telefon.
Schwiegermutter.
Valentina ließ es fallen.
Das Telefon klingelte erneut.
Dann Nachrichten.
« Schämst du dich denn gar nicht? »
„Igor würde das niemals verzeihen.“
„Du hast die Familie zerstört.“
„So herzlos kann man doch nicht sein.“
Valentina schaltete das Telefon langsam aus.
Dann ging sie in den Flur.
Ich habe die restlichen Pakete von anderen eingesammelt.
Sie trug es zur Tür hinaus.
Und sie rief einen Techniker, um die Schlösser auszutauschen.
Denn eines verstand sie nun nur allzu gut.
Wenn sie heute auch nur einen Zentimeter nachgibt, werden sie morgen erst recht anfangen, sie aus ihrem Leben zu verbannen.
Spät am Abend öffnete Valentina den Kleiderschrank im Büro ihres Mannes.
Und zwischen den Papieren fand ich plötzlich einen mir vertrauten Umschlag.
Im Inneren befand sich ein Testament.
Alt.
Unterzeichnet vor einigen Jahren.
Sie setzte sich langsam auf den Stuhl.
Und zum ersten Mal an diesem Tag schloss ich wirklich die Augen.
Denn Igor verstand alles, solange er noch lebte.
Und er überließ ihr die Wohnung.
Voll.
Mit einer separaten handschriftlichen Notiz:
„Valya, wenn Mama anfängt, dich unter Druck zu setzen, gib niemandem nach. Das ist dein Zuhause.“