TEIL 2
Santiago spürte, wie der Boden unter seinen teuren Stiefeln nachgab.
Vier Jahre lang hatte er eine Lüge wiederholt, bis er sie selbst glaubte: Mariana hatte ihn verlassen, weil sie seinen Ehrgeiz nicht ertragen konnte, weil es ihr an Loyalität mangelte, weil sie sich für ein anderes Leben entschieden hatte.
Doch nun stand die Wahrheit vor ihm.
Schlafend auf einer Bank.
Mit drei Kindern.
Ihre Lippen waren von der Kälte aufgesprungen, ihre Hände umklammerten noch immer ihre Kinder und schützten sie selbst im Schlaf.
„Was hast du getan?“, fragte Santiago heiser.
Doña Carmen weinte ohne Würde, ohne den Stolz der reichen Frau, den sie stets wie eine Rüstung getragen hatte.
„Sie hat dich oft gesucht.“
„Nein.“
„Sie war in deinem Büro in Santa Fe.“
„Sag das nicht.“
„Sie hat dir Briefe geschrieben. Sie hat dich angerufen. Sie hat mir Nachrichten geschickt. Sie hat mir gesagt, dass sie schwanger ist.“
Santiago ballte die Fäuste.
„Und was hast du getan?“
„Ich habe ihr gesagt, sie soll dich in Ruhe lassen.“
Er lachte bitter und humorlos auf.
„Hast du es ihr gesagt?“
Doña Carmen schloss die Augen.
„Ich habe ihr Geld angeboten.“
Santiago erstarrte.
„Wie viel?“
„500.000 Pesos.“
Santiagos Gesichtsausdruck veränderte sich.
„Du bist wirklich krank.“