„Du musst die Wohnung bis morgen verlassen“, sagte Katia zu ihrer Mutter.

 

Der Wasserkessel pfiff leise auf dem Herd, während Olga die Teebeutel durchsah. Kamille, Minze, schwarzer Tee mit Bergamotte — Katia hatte sie von ihrer letzten Geschäftsreise nach London mitgebracht.

Olga lächelte, als sie daran dachte, wie ihre Tochter ihr vor fünf Jahren feierlich diese Wohnung geschenkt hatte.

„Jetzt, Mama, hast du dein eigenes Zuhause“, hatte Katia damals gesagt und ihr die Schlüssel in die Hand gelegt. „Keine gemieteten Zimmer mehr.“

Die alte Küche war längst Olgas Lieblingsort geworden. Alles hier atmete Gemütlichkeit: die abgewetzte Wachstuchdecke auf dem Tisch, die Geranientöpfe auf der Fensterbank, sogar der Riss in der Fliese neben dem Herd kam ihr vertraut vor.

Gerade wollte Olga sich Tee einschenken, als es an der Tür klingelte.

Auf der Schwelle stand Katia in einem strengen Businesskostüm, mit perfekter Frisur und einem vollkommen kalten Gesichtsausdruck.

„Mama, wir müssen reden.“

Olga trat zur Seite und ließ ihre Tochter herein. Etwas in Katias Stimme zog ihr das Herz zusammen.

„Komm rein, Liebling. Ich habe gerade deinen Lieblingstee aufgebrüht, den, den du mitgebracht hast.“

„Nein, danke.“ Katia blieb mitten in der Küche stehen. „Ich bleibe nicht lange. Mama, du musst die Wohnung verlassen. Bis morgen.“

Olga erstarrte mit dem Kessel in der Hand. Für einen Moment glaubte sie, sie habe sich verhört.

„Wie bitte?“

„Du musst die Wohnung verlassen. Morgen. Ich kann es nicht länger hinausschieben.“

Heißer Tee schwappte über Olgas Hand, doch sie spürte den Schmerz nicht einmal.

„Katjuscha, ich verstehe nicht… Das ist mein Zuhause. Du selbst hast doch…“

„Es ist nur eine Wohnung, Mama.“ Katia zog ihr Telefon heraus und prüfte rasch etwas auf dem Bildschirm. „Du hast hier gewohnt, aber ich kann dich nicht mehr länger durchfüttern.“

„Durchfüttern?“ Olga lachte nervös auf. „Liebling, ich bezahle doch die Nebenkosten selbst, ich putze, ich…“

„Mama, hör auf.“ Katia verzog das Gesicht. „Die Entscheidung ist gefallen. Die Schlüssel lässt du auf dem Tisch.“

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