Sie bewarfen Chinedu Okafor mit Münzen, während er auf dem Ladipo-Markt neben einem kaputten Taximotor schlief, und lachten, als ob sein Hunger eine Unterhaltung wäre.
Die Morgenhitze hatte Lagos noch nicht richtig erreicht, als der erste Mechaniker mit der Sohle seines staubigen Stiefels gegen die Wand trat.
—Wach auf, reicher Bettlerjunge. Die Kunden kommen.
Ein anderer Mann lachte hinter einem Reifenstapel hervor.
—Schau ihn dir an. Schläft mit Schraubenschlüsseln, als wären sie seine Ehefrauen.
Chinedu öffnete langsam die Augen. Sein Rücken schmerzte vom Betonboden. Sein Hemd roch nach Motoröl. Seine Handflächen waren rau, voller Blasen und schwarz vom Fett. Jeder Vorbeigehende hätte nur einen armen Lehrling gesehen, ohne Zuhause, ohne Familie und ohne Zukunft.
Niemand dort wusste, dass er der einzige Sohn von Chief Emeka Okafor war, dem milliardenschweren Eigentümer von Okafor Heavy Industries, einem Mann, dessen Unternehmen Maschinen für die Hälfte Westafrikas lieferten.
Nur sechs Monate zuvor hatte Chinedu auf Banana Island an einem langen Esstisch gesessen, umgeben von Glaswänden, poliertem Marmor, importiertem Wein und Verwandten, die über Geld sprachen, als wäre Armut eine Krankheit.
Seine Stiefmutter Veronica hatte ihn kalt angelächelt, als er sagte, er wolle das Herrenhaus verlassen.
—Weggehen? Wozu denn? Um so zu tun, als würdest du leiden, damit die Leute dir applaudieren?
Chinedu hatte seinen Vater angesehen.
—Papa, ich kann keine Fabriken erben, wenn ich die Hände nicht verstehe, die sie bauen.
Häuptling Emekas Gesicht war verhärtet.
—Die Welt jenseits dieses Tores respektiert deinen Nachnamen nicht. Sie wird dich zerstören, wenn du nicht bereit bist.
—Ich bin bereit, am Ende zu sein, wenn das nötig ist, um nützlich zu werden.
Sein Onkel Nnamdi hatte laut gelacht.
—Emeka, lass ihn gehen. Nach zwei Wochen auf der Straße wird er zurückkriechen und um warmes Wasser und Klimaanlage betteln.
Doch Häuptling Emeka hatte nicht gelacht. Er war lediglich aufgestanden, hatte Chinedus kleines goldenes Armband vom Handgelenk genommen und es auf den Tisch gelegt.
—Wenn du gehst, gehst du ohne Leibwache, ohne Taschengeld, ohne Firmennamen, ohne geheime Rettungsaktion. Wenn du zurückkommst, kehre als Mann zurück, nicht als mein verwöhnter Sohn.
Chinedu hatte genickt.
—Dann werde ich als Mann zurückkehren.