„Besser wirst du Ingenieurin“, sagte Tante Agafia – aber ich fand mein Zuhause dort, wo alle nur Einsamkeit sahen

„Ich werde dort wohnen“, flüsterte Warwara und drückte ihre Finger auf die Seite des Kinderbuchs.

Selbsthilfe und Motivation

Sie war fünf Jahre alt, und vor ihr stand auf einer grellen Illustration ein Leuchtturm: einsam, hoch, vom Meer umtobt. Das  Wasser war schwarz wie Tinte, der Himmel schwer, das Licht oben im Turm klein und unbeirrbar.

Ihre Eltern lächelten.

„Du hast die Fantasie einer Künstlerin“, sagte ihre Großmutter.

Tante Agafia schnaubte nur. „Märchen, Kind. Besser wirst du  Ingenieurin.“

Und Warwara wurde Ingenieurin.

Sie schrieb sich an der Fakultät für Funktechnik ein, weil das ernst klang, obwohl ihr Herz sie weiter zum Meer zog. Nach den Vorlesungen zeichnete sie Leuchttürme in ihre Hefte, las Piotr Suchow wieder und wieder, hörte in kurzen Filmen dem Rauschen der Wellen zu und verbrachte jeden Urlaub am Wasser.

Seetransport

„Was ist das für ein Wahnsinn?“, sagte ihre Mutter. „Alle fahren ins Sanatorium, und du nach Kandalakscha!“

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„Ich mag die Weite im Norden“, sagte Warwara lächelnd.

„Es wird Zeit, dass du heiratest, statt Leuchttürme zu bauen!“

Hydrologie und Meereskunde

Nach dem Studium nahm Warwara eine Stelle in einer Firma an, die Navigationsgeräte wartete. Die Arbeit bestand aus Schaltplänen, Löten und Tests. Eines Tages trat ihr Chef zu ihr und sagte:

„Es gibt eine freie Stelle im hohen Norden, in einem Küstendorf, an einer Funkfeuerstation. Willst du?“

Warwara nickte schweigend, als hätte sie ihr ganzes Leben auf genau diesen Satz gewartet.

„Dort ist es hart“, fuhr der Chef fort. „Drei Monate Dienst, ein Leuchtturm und ein Wärter. Manchmal schauen Einheimische vorbei.“

„Ich bin einverstanden“, sagte sie.

Ihre Mutter geriet außer sich.

Physik

„Willst du in der Taiga erfrieren? Bist du verrückt geworden? Wir haben dich in die Stadt gebracht, und du gehst in die Sümpfe, zu irgendeinem Wärter!“

„Mama, das ist meine Chance“, sagte Warwara.

„Eine Chance auf Einsamkeit und Armut!“

Ihr Vater sah lange schweigend aus dem Fenster. Dann sagte er:

„Lass sie fahren. Lass sie es versuchen.“

Der Ort hieß Kljutschewka. Ein paar Holzhäuser, ein Fischersteg, ein kleiner Laden und ein Leuchtturm auf einer Klippe.

Ingenieurwissenschaften und Technologien

Als Warwara zum ersten Mal an Land ging, riss ihr der Wind beinahe den Atem weg. Das Meer brüllte, Möwen schrien, der Himmel hing so niedrig, als würde er jeden Moment aufbrechen.

Aber in ihrer Brust erklang eine fröhliche Melodie.

„Du bist Warwara?“, fragte ein großer, grauhaariger Mann in einer warmen Jacke. „Ich bin Sjewa, der Wärter.“

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Er kicherte, nahm ihren Rucksack und führte sie zu dem Häuschen beim Leuchtturm. Drinnen roch es nach Petroleum, Brot und Honig, auf dem Tisch stand eine Lampe, und auf den Regalen lagen Bücher und Muscheln.

Schwangerschaft und Mutterschaft

„Hier wirst du wohnen“, sagte Sjewa. „Der Leuchtturm wird dein Nachbar sein. Die Station ist alt, aber sie funktioniert. Du hilfst, sie in Ordnung zu halten.“

„Ich komme zurecht.“

„Daran zweifle ich nicht. Du siehst aus wie jemand, der mit dem Meer verhandeln kann.“

Die ersten Wochen waren schwer: Stürme, Abgeschiedenheit, lange Abende. Warwara reparierte die Geräte und freundete sich mit den Einheimischen an, besonders mit Marfa, der sanften Verkäuferin aus dem Laden.

„Mit dir zu reden ist wie  Tee mit Sanddorn“, sagte Marfa. „Es wärmt.“

Abends saß Warwara auf den Stufen des Leuchtturms und schrieb Briefe an sich selbst, an die Zukunft, weil in ihrer Vergangenheit nur unerfüllte Erwartungen ihrer Angehörigen lagen.

Seetransport

Eines Tages kam ein Paket aus der Stadt. Darin lag ein Brief ihrer Mutter:

„Du bist natürlich seltsam. Aljona und ich verstehen nicht, was du dort suchst. Aber dein Vater ist stolz. Komm, wenn du willst. Oder schreib wenigstens.“

Warwara seufzte. Zum ersten Mal seit langer Zeit wurde ihr warm ums Herz.

Nach drei Monaten sollte sie nach Hause zurückkehren. Der Leuchtturm war ihr inzwischen wie ein Zuhause geworden. Sjewa umarmte sie fest.

„Komm wieder“, sagte er. „Ohne dich ist es hier stiller.“

In der Stadt empfing man sie kühl. Ihre Mutter untersuchte ihre Sachen bis ins Kleinste, und Tante Agafia sagte:

Selbsthilfe und Motivation

„Das alles war ein Fehler. Geh zurück in eine normale Arbeit.“

Doch Warwara wusste bereits, dass sie nicht zurückgehen würde.

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