Es war elfenbeinfarben, schlicht, mit kleinen Stickereien an den Ärmeln und einem eleganten Fall, den ihre Mutter seit der Ankunft der Schneiderin bereits viermal kritisiert hatte.
Das Haus in Coyoacán roch nach Kaffee, Haarspray und Nervosität.
Unten klangen Doña Elviras Absätze wie Schimpfen auf dem Boden.
„Mariana, beeil dich. Die Leute fragen schon nach den Tischen“, sagte ihre Mutter aus dem Flur. „Und bitte, fang nicht gleich an zu weinen.“
Mariana schloss die Augen.
Ich wollte nicht weinen.
Nicht an diesem Tag.
An diesem Tag heiratete sie Santiago Robles, den Mann, der gelernt hatte, durchs Leben zu gehen, nachdem er während seines Dienstes in der mexikanischen Armee bei einer Explosion beide Beine verloren hatte.
Santiago benutzte einen Rollstuhl.
Er besaß zudem einen Humor, der jeden entwaffnete, eine Geduld, die fast heilig wirkte, und einen Blick, der Mariana das Gefühl gab, dass die Welt, so grausam sie auch sein mochte, dennoch ihr Zuhause sein konnte.
Doch ihren Eltern reichte das nicht.
—Sie können Ihre Meinung noch ändern, sagte Doña Elvira, als sie hereinkam, makellos in ihrem königsblauen Kleid. —Niemand wird Sie verurteilen.
Mariana stieß ein trockenes Lachen aus.
—Mama, ihr habt mich doch alle schon verurteilt.
« Red keinen Unsinn. Wir wollen nur verhindern, dass du am Ende Krankenschwester wirst. Sich zu verlieben ist eine Sache, aber für immer an einen Mann gebunden zu sein, eine ganz andere. »
Mariana spürte den Schlag in ihre Brust.
—Santiago ist keine Last.
—Das siehst du jetzt noch nicht. Du bist jung, naiv, voller Träume. Aber später, wenn du reisen, tanzen, Kinder haben und ausgehen willst, ohne einen Rollstuhl schieben zu müssen…
—Das genügt.
Sein Vater, Don Ernesto, erschien an der Tür.
Er sagte nichts.
Das tat noch mehr weh.
Er, der sie früher „mein tapferes Mädchen“ genannt hatte, hatte sie monatelang so angeschaut, als ob sie im Begriff wäre, eine schreckliche Tat zu begehen.
Mariana nahm ihr Handy und rief Santiago an.
Er antwortete prompt.
—Bereit für den schlechtesten Deal deines Lebens, Kleiner?
Sie lächelte durch ihre Tränen hindurch.
—Meine Mutter ist unerträglich.
—Also ist alles normal.
—Sie versuchen, mich an mir selbst zweifeln zu lassen.
Santiagos Stimme wurde leiser.
—Wenn du hereinkommst, schau mich an. Nicht sie. Nicht das Getuschel. Schau mich an.
-Ich liebe dich.