Mit sechzehn hatte Marissa für die beiden einen Social-Media-Account namens „The Blake Twins“ erstellt. Anfangs war alles harmlos. Partnerlook. Tanzvideos. „Zwillings-Telepathie“-Challenges. Süße Geburtstagsgrüße.
Dann kamen die Regeln.
Keine getrennten Frisuren.
Keine getrennten Freunde.
Keine getrennten Hobbys vor der Kamera.
Wenn Avery eine Zeichnung posten wollte, musste Arden auch mit aufs Foto.
Wenn Arden irgendwohin eingeladen wurde, musste Avery auch mitkommen.
Wenn eine lächelte, musste die andere auch lächeln.
Marissa nannte es Branding.
Avery nannte es Verschwinden.
Der Account wuchs schneller als erwartet. Lokale Geschäfte boten kostenlose Kleidung an. Eine Kinder-Talentagentur meldete sich. Ein Lifestyle-Magazin fragte nach einem Artikel.
Arden genoss jede Sekunde.
Avery begann, sich vor dem Geräusch des eingeschalteten Ringlichts zu fürchten.
In der Schule nannten die Leute sie nicht mehr bei ihren Namen.
„Hey, Zwillinge!“
„Wer von euch beiden seid ihr?“
„Unternehmt ihr beiden jemals etwas allein?“
Avery antwortete: „Ich bin Avery.“
Die meisten lachten, als hätte sie einen Witz erzählt.
Nur einer nicht.
Ethan Cole, ein stiller Junge aus dem Kunstkurs, nannte sie immer bei ihrem Namen.
Ihm fielen die kleinen Dinge auf. Avery trug eine silberne Mondkette; Arden einen goldenen Stern. Avery zeichnete mit der linken Hand; Arden gab Autogramme mit der rechten. Avery senkte den Blick, wenn sie überfordert war; Arden suchte die Aufmerksamkeit wie eine Blume das Licht.
„Du magst es nicht, Teil dieser Zwillingssache zu sein, oder?“, fragte Ethan sie einmal nach dem Unterricht.