Punkt 8:15 Uhr öffneten sich die Aufzugtüren, und die Atmosphäre veränderte sich schlagartig.
Es schien, als würde die Luft selbst Platz für einen Mann schaffen.
Gabriel Montiel.
Selbst ohne Nachrichten zu lesen, kannte jeder diesen Namen. Mit nur 34 Jahren kontrollierte er ein Imperium, getarnt als legale Unternehmen: Logistik, Bauwesen, Sicherheit … und weitaus finsterere Machenschaften, über die niemand laut zu sprechen wagte.
Er sah nicht wie ein Verbrecher aus.
Er sah aus wie ein Adliger, geboren, um zu zerstören.
Tadellos gekleidet, mit scharfem Blick, ruhig – er saß da, dem Regen der Stadt zugewandt, flankiert von seinen Männern: Elías, riesig und schweigsam, und Nicolás Varela, elegant, aber beunruhigend.
Mia näherte sich vorsichtig.
„Mineralwasser“, befahl Nicolás, ohne sie anzusehen. „Und öffnen Sie den Barolo von 1998.“
„Jawohl, Sir.“
Gabriel drehte sich nicht um. Er blickte die Stadt an, als ob sie ihm Antworten schuldete.
Die nächste Stunde bewegte sich Mia unsichtbar – füllte Gläser nach, räumte Teller ab, verschmolz mit der Umgebung. Doch sie lauschte. Nicht aus Neugier, sondern instinktiv. Das Leben hatte sie gelehrt, Gefahren frühzeitig zu erkennen.
Um 9:02 Uhr änderte sich alles.
Sie ging mit der Dessertkarte auf Gabriel zu, der sich leicht zurücklehnte.
In der Spiegelung hinter ihm –
sah sie es.
Ein schwacher, stetiger roter Punkt.
Über seinem Herzen.
Die Zeit dehnte sich.