Teil 2
Daniel versuchte zu lachen, aber es klang irgendwie komisch. „Mama, das ist doch übertrieben.“
„Nein“, sagte ich. „Dramatic hat mich vor meiner Familie bloßgestellt, nachdem ich ein Auto und eine Handtasche angenommen hatte.“
Marissa ließ den Umschlag auf den Couchtisch fallen, als hätte er sie verbrannt. „Wir wollten nur etwas verdeutlichen. Du kontrollierst immer alles mit Geld.“
Ich betrachtete ihre neue Handtasche. „Dann gib sie zurück.“
Ihre Finger umklammerten den Riemen fester.
Das war die erste ehrliche Antwort, die sie den ganzen Abend gegeben hatte.
Meine Anwältin, Louise Parker, hatte mich schon Monate zuvor gewarnt, dass Daniel und Marissa mit meiner Hilfe immer leichtsinniger wurden. Sie wohnten in dem Reihenhaus, das ich vor meiner Pensionierung gekauft hatte, zahlten keine Miete und erzählten allen, sie würden „für ein Haus sparen“. Sie fuhren Fahrzeuge, die ich mitfinanziert hatte. Sie benutzten meine Kreditkarte für Lebensmittel, während Daniel es als vorübergehende finanzielle Schwierigkeiten bezeichnete.
Aus der befristeten Vereinbarung waren zwei Jahre geworden.
Die Anzahlung von 150.000 Dollar sollte mein letzter Anstoß sein, ihnen zur Unabhängigkeit zu verhelfen. Louise hatte die Schenkungsdokumente vorbereitet, aber auch ein Widerrufsschreiben, nachdem Marissa mir per SMS geschrieben hatte: „Sobald wir das Geld für das Haus haben, können wir mit deiner Mutter klare Grenzen setzen.“
Sie hat es versehentlich mir statt Daniel geschickt.
Ich habe sie damals nicht konfrontiert. Ich habe abgewartet.
Daniel nahm den Zettel mit zitternden Händen entgegen. „Sie werfen uns aus dem Reihenhaus?“
„Ich beende die Vereinbarung, von der Sie sagten, dass Sie sich wie Kinder gefühlt haben, die auf Almosen warten.“
Mein Schwager hustete in seine Serviette. Meine Schwester sah Daniel mit sichtlicher Enttäuschung an.
Marissas Stimme wurde schärfer. „Dieses Reihenhaus ist im Grunde Daniels Erbe.“
„Nein“, sagte ich. „Es ist mein Eigentum.“
Daniel trat näher. „Dad würde niemals zulassen, dass du mich so behandelst.“
Das tat weh, aber nicht genug, um mich umzustimmen. Mein Mann hatte sein letztes Jahr damit verbracht, Daniel anzuflehen, nicht länger auf Rettung zu warten und endlich seine Versprechen zu halten. Daniel weinte bei der Beerdigung und fragte mich zwei Wochen später, ob er in das Reihenhaus ziehen dürfe, „nur bis sich die Lage beruhigt hat“.
Ich sagte ja, weil mich die Trauer weich gemacht hatte.
Jetzt hat mir Weihnachten alles klar gemacht.
Marissa deutete auf die Einfahrt. „Gut. Wir behalten das Auto und fahren weg.“
Ich schüttelte den Kopf. „Die Schlüssel bleiben auf dem Tisch, bis Daniel die Kreditraten beglichen hat.“
Zum ersten Mal an diesem Abend blickte Daniel seine Frau an, anstatt mich.
Sie lächelte nicht mehr.