Ich verbrachte die Nacht mit einem Mann, der dreißig Jahre jünger war als ich, und am nächsten Morgen, als ich in meinem Hotelzimmer aufwachte, entdeckte ich etwas Schreckliches
Ich hätte nie gedacht, dass mir mit zweiundsechzig so etwas passieren könnte.
In diesem Jahr verlief mein Leben ruhig und eintönig.
Mein Mann war vor vielen Jahren g:estorben, meine Kinder waren erwachsen, jeder mit seiner eigenen Familie und seinen eigenen Sorgen.
Ich lebte allein in einem kleinen Haus außerhalb der Stadt. Die Tage vergingen friedlich: Nach dem Mittagessen setzte ich mich ans Fenster, hörte den Vögeln zu und beobachtete, wie die Sonne langsam über der leeren Straße unterging.
Von außen wirkte alles ruhig, doch in mir hatte sich längst eine Einsamkeit eingenistet, über die ich versuchte, nicht nachzudenken.
An diesem Tag hatte ich Geburtstag.
Niemand rief an, niemand erinnerte sich. Und dann beschloss ich plötzlich, etwas Ungewöhnliches zu tun, fast etwas Unbesonnenes. Nach dem Mittagessen nahm ich den Bus und fuhr in die Stadt – einfach so, ohne Plan.
Ich ging in eine kleine Bar.
Dort herrschte warmes, gelbes Licht und leise Musik. Ich setzte mich in eine Ecke und bestellte ein Glas Rotwein.
Ich schaute mich um, und irgendwann bemerkte ich, wie ein Mann auf meinen Tisch zukam.
Er war jünger als ich, Anfang dreißig, gepflegt, selbstbewusst, mit einem aufmerksamen Blick. Er lächelte und bot an, mir noch ein Glas zu bestellen.
Wir kamen so leicht ins Gespräch, als würden wir uns schon seit Jahren kennen. Er sagte, er arbeite als Fotograf und sei kürzlich von einer Reise zurückgekehrt.