„Ich habe meinen Nachlass also ordnungsgemäß geregelt.“
Camilles Finger umklammerten die Babydecke fester.
Julien beugte sich vor.
„Meine Mutter war krank. Sie war bis zuletzt nicht vollständig genesen.“
Ich musste fast lachen.
Marguerite Delorme, schwach und am Tropf, korrigierte ständig Ärzte, die in ihrer Gegenwart zu schnell sprachen. Sie unterzeichnete Stiftungsurkunden von ihrem Bett aus und sah immer wieder, wie Julien den Raum verließ, um Nachrichten zu beantworten und dabei den Bildschirm seines Handys verdeckte.
Maître Lemaire zog daraufhin mehrere Dokumente hervor.
„Frau Delorme rechnete auch damit, dass ihre Geschäftsfähigkeit infrage gestellt würde“, sagte er. „Zwei medizinische Gutachten, eine Videoaufzeichnung und mehrere notariell beglaubigte Erklärungen, die innerhalb von 72 Stunden nach der Unterzeichnung abgegeben wurden, waren der Akte beigefügt.“
Der Ausdruck verschwand allmählich aus Juliens Gesicht.
Zuerst von der Stirn.
Dann von den Lippen.
Dann aus den Augen.
Camille suchte in ihm das Vertrauen, das er nicht mehr besaß.
Der Notar fuhr fort.
„An meinen Sohn Julien: Sollte Ihre Herrin anwesend sein, wenn Sie diesen Brief lesen, so ist zumindest eines gewiss: Sie haben Dreistigkeit mit Intelligenz verwechselt.“
Diesmal war die Stille fast greifbar.
Camilles Lippen öffneten sich leicht.
Julien fluchte leise vor sich hin.
Doch Maître Lemaire fuhr fort, ohne langsamer zu werden.
„An die Frau neben ihm, die ein Kind im Arm hält, das nicht darum gebeten hat, in einer Lüge geboren zu werden, sage ich: Nähe zur Schwäche eines Mannes war noch nie ein Sieg.“
Camille schauderte.