Mein Mann brachte eine Dame und ihr Neugeborenes zur Testamentseröffnung meiner Schwiegermutter mit… aber als der Notar ihren letzten Brief verlas, sah sein Gesichtsausdruck aus wie…

Zwei.

Aber ich sehe es.

Das Kind regt sich, gibt einen kleinen, verwirrten Laut von sich und ähnelt zum ersten Mal nicht mehr einem triumphierenden Erben.

Es ähnelt einer Frau, die glaubte, an einer Krönungszeremonie teilzunehmen … und dann feststellt, dass sie in einem Gerichtssaal sitzt.

Maître Lemaire senkt den Brief.

„Madame Delorme hat mich gebeten …“

Dann verlas er das Erbe.

Er öffnete das Testament.

Der ganze Raum schien den Atem anzuhalten.

„Madame Marguerite Delorme hat ihre Schmucksammlung dem Musée des Arts Décoratifs in Paris vermacht. Die in Anhang B aufgeführten wohltätigen Zuwendungen bleiben bestehen. Ihr Wohnsitz in Neuilly-sur-Seine sowie das in Anhang Drei aufgeführte bewegliche Vermögen gehen an die Delorme-Stiftung.“

Julien unterbrach ihn sofort.

„Und die Aktien der Gruppe?“

Seine Stimme war angespannt.

Zu schnell.

Zu scharf.

Er stellte die Frage, bevor er auch nur einen Funken Würde wiedererlangt hatte.

Maître Lemaire sah ihn an.

„Ich komme gleich darauf zurück.“

Die Antwort war höflich.

Aber eiskalt.

Und mit einer seltsamen Klarheit wurde mir bewusst, dass dieser Notar wohl jahrelang darauf gewartet hatte, dass das Gesetz meinen Mann endlich offen verachtete.

Er fuhr fort.

„Die Mehrheitsanteile an Delorme Industrie, die nach den Erwartungen der Familie an Julien Delorme gehen sollten … werden nicht an Julien Delorme übertragen.“

Stille.

Reinheit.

Klarheit.

Tödlich.

Der Satz hängt wie eine Klinge in der Luft.

Julien starrt den Notar an.

Camille starrt den Notar an.

Ich auch.

Denn ein Teil von mir hat begonnen zu hoffen, doch nach Jahren der Lügen bleibt Hoffnung beängstigend. Sie kriecht langsam aus ihrem Versteck hervor und prüft, ob dies eine weitere Falle ist.

Dann liest Maître Lemaire die nächste Zeile.

„Die Kontrollmehrheit an Delorme Industrie, einschließlich der Stimmrechte und der zugehörigen Geschäftsführung, wird vorbehaltlich der in Artikel Elf festgelegten Bedingungen an Claire Delorme übertragen.“

Julien steht abrupt auf.

Sein Stuhl kippt auf dem Teppich nach hinten.

„Das ist unmöglich.“