TEIL 1: Die gestohlene Stiftung
„Dein SUV ist schon verkauft, Selene. Meine Mutter brauchte das Geld dringender als du, also hör auf, dich als Opfer darzustellen, und geh einfach zum Herd und wärm unser Abendessen auf.“ Mutter-Tochter-Auszeit
Selene stand still da, ihre zitternde Hand umklammerte noch immer den Ofenknopf. Ihre Kleidung war durchnässt und schwer vom unaufhörlichen Regen, der durch die ruhigen Wohnstraßen von Oak Creek strömte. Sie hatte den ganzen Tag damit verbracht, drei Luxuswohnungen in Riverdale, ein gemütliches Haus im Craftsman-Stil in Fairwood und ein kleines Gewerbeobjekt in der Innenstadt zu präsentieren. Das hatte sie körperlich und geistig völlig erschöpft.
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„Was hast du mir gerade gesagt?“, fragte sie, obwohl die brutale Bedeutung seiner Worte bereits wie Eis in ihr gefroren war.
Im Esszimmer saß Phoebe, ihre Schwiegermutter, mit vollkommener Fassung und nippte an ihrem Abendkaffee, als ob das Haus und alles darin ihr selbstverständlich gehörten. Ihre teure Designerhandtasche lag auf dem Stuhl neben ihr, ihre lackierten Nägel glänzten im warmen Küchenlicht, und sie trug diesen vertrauten Ausdruck empörter Überlegenheit, den sie immer aufsetzte, wenn sie beschloss, eine Grenze zu überschreiten.
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„Stell dich nicht so an, Liebes“, sagte Phoebe, ohne aufzusehen, mit abweisender, schneidender Stimme. „Der alte Truck hat unserer Familie ja schon seit Wochen gute Dienste geleistet, und außerdem hat mein Sohn alle notwendigen Dokumente unterschrieben, also ist alles völlig legal.“ Familienrechtliche Ressourcen
Selene spürte einen stechenden, drückenden Schmerz in der Brust, der ihr die Luft raubte. Der SUV, ein zuverlässiger silberner Schrägheckwagen, war alles andere als luxuriös, aber er war das wichtigste Werkzeug ihrer Immobilienkarriere. Ihre verstorbene Tante Gertrude hatte ihr das Auto zur Hochzeit geschenkt, ein kleines Band an den Rückspiegel gebunden und ihr den Rat zugeflüstert, den Selene in jeder schwierigen Zeit beherzigte: „Sorge immer für dein eigenes Auto, damit du nie auf andere angewiesen bist, um ans Ziel zu kommen.“
„Dieses Auto ist allein auf meinen Namen zugelassen“, sagte Selene mit schockierter und wütender Stimme. „Ich bin darauf angewiesen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, und morgen früh habe ich einen Termin mit wichtigen Kunden, um ihnen ein Haus in Pine Bluff zu zeigen. Wenn ich den Verkauf abschließen kann, kann ich drei Monate Miete im Voraus bezahlen.“
Owen, ihr Mann, lehnte sich an die Kücheninsel und zuckte lässig mit den Achseln. Sein Gesichtsausdruck verriet nichts als Gleichgültigkeit.
„Du könntest dir einfach über eine Mitfahr-App ein Auto bestellen und die Sache wäre erledigt“, schlug er vor, als ob sie über etwas so Belangloses wie die Wahl einer Fernsehsendung sprächen.