Svetlana erstarrte vor der Tür und spürte, wie ihre Finger vor Kälte taub wurden. Der Schlüssel, den sie in der Hand hielt, erschien ihr fremd, als käme er aus einem anderen Leben – dem, in dem sie ein Zuhause, einen Ehemann und die Hoffnung auf eine gewöhnliche Zukunft hatte.
Klick.
Das Schloss drehte sich plötzlich mühelos.
Sie erstarrte.
« Das kann nicht sein… » flüsterte sie kaum hörbar, traute dem Hören nicht.
Die Tür öffnete sich mühelos, als wäre das wirklich erwartet. Es war, als ob diese Wände noch die Erinnerung an ihre Schritte bergen.
Der Geruch traf sofort: unbekanntes Parfüm, Kaffee, gekochtes Essen. Jemandes Leben. Jemandes Platz.
Svetlana überschritt vorsichtig die Schwelle.
« Andrey?.. Die Stimme zitterte verräterisch.
Stille.
Und in dieser Stille musste sie plötzlich lachen. Eine Frau. Irgendwo in den Tiefen der Wohnung.
Mein Herz sank schmerzhaft.
Sie ging den Flur entlang und blieb stehen.
Der Mantel, den sie zum ersten Mal sah, hing an einem Kleiderbügel. Weiblich. Teuer. Eingängig.
« Das ist… Meine Wohnung— » flüsterte sie.
Die Antwort waren Schritte.
Eine Frau kam aus dem Raum. Jung, gepflegt, im Bademantel, wie eine vollwertige Hausfrau.
« Wer bist du? » fragte sie geschmeidig, ohne auch nur Angst zu haben.
Svetlana ist taub.
« Ich… Ich habe hier gewohnt. Das ist meine Wohnung.
Die Frau zog spöttisch die Augenbrauen hoch.
« Du irrst dich. Andrey und ich wohnen jetzt seit drei Jahren hier.
Der Name ihres Mannes traf sie härter, als er es tat.
Svetlana spürte, wie alles in ihr zusammenbrach.
« Drei Jahre?.. fragte sie leise.
Und in diesem Moment kam er aus der Küche.
Andrei.
Er erstarrte auf der Stelle.
Und zum ersten Mal seit vielen Jahren flackerte sein Blick nicht vor Ärger…, sondern vor echter Angst.
« Lichter… » atmete er aus.
Sie sah ihn an, ohne wegzusehen.
« Also hast du mich begraben, als ich noch lebte? »
Die Stille war lauter als jedes Geständnis.
Und in diesem Moment wurde Svetlana klar: Ihre Rückkehr würde der Beginn des Krieges sein.
Kapitel 2. Jemandes Leben innerhalb seiner Mauern
Andrey trat einen Schritt zurück, als wolle er hinter dem Türrahmen verschwinden. Aber es war zu spät – Svetlana war drinnen, und die Luft in der Wohnung wurde dick, schwer, fast vergiftet.
« Du… er hätte nicht so kommen sollen », bestritt er es schließlich.
« Neugierig », sagte Svetlana langsam und sah sich im Flur um. « Wie hätte ich kommen sollen? » Um Erlaubnis fragen?
Die Frau im Bademantel war angespannt, kam aber nicht heraus. Sie stand neben Andrei, als hätte sie das Recht dazu.
Svetlana bemerkte jede Kleinigkeit: verschiedene Vorhänge, ein neues Sofa, Fotos anderer Leute an der Wand. Ihr früheres Leben wurde sorgfältig ausgelöscht und durch das eines anderen ersetzt.
« Wo sind meine Sachen? » fragte sie leise.
Andrey sah weg.
« Lichter… so viel Zeit ist vergangen…
Ich fragte: Wo sind meine Sachen?
Stille herrschte.
Und dieses Schweigen antwortete klarer als jedes Wort.
Die Frau griff ein:
« Hör zu, lass uns ohne Skandale auskommen. Andrey hat gesagt, dass du… Du kommst nicht zurück.
Svetlana drehte sich scharf zu ihr um.
« Er hat viel gesagt. Zum Beispiel, dass ich schuldig bin.
Andrey schauderte.
« Du weißt, es gab eine Untersuchung…
« Untersuchung », unterbrach sie. « Hast du die Situation gerade ausgenutzt? »
Der Raum wurde still.
Und plötzlich erinnerte sich Svetlana an den Geruch der Kamera, die Kälte von Eisen, schlaflose Nächte. Und die Tatsache, dass niemand – nicht einmal er – zu ihr kam.
« Du hast nicht einmal versucht, mich zu retten », sagte sie leise.
Andrey ballte die Finger zu Fäusten.
« Ich konnte nicht… alles war gegen dich…
« Nein », sagte sie scharf. « Du hast dich einfach selbst gewählt.
Die Frau sah ihn anders an, Angst blitzte in ihren Augen auf.
« Andrey, du hast gesagt, dass alles nach dem Gesetz entschieden wird…
Svetlana war vorsichtig.
« Rechtlich? » wiederholte sie. « Was genau wurde entschieden? »
Andrey machte einen scharfen Schritt auf sie zu:
« Light, nicht jetzt…
Aber sie hatte bereits erkannt: Es war nicht nur ein Verrat.
Da steckte mehr dahinter.
Und genau in diesem Moment klingelte die Türklingel.
Alle drei erstarrten.
Andrey wurde blass.
« Nein… nur nicht jetzt…
Svetlana drehte sich langsam zur Tür um.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte ich: Die Wahrheit steht bereits vor der Tür.
Kapitel 3. Die Tür, hinter der die Wahrheit verborgen war
Die Glocke läutete erneut – scharf, beharrlich, als wüsste der Mann hinter der Tür, dass das Leben eines Menschen in dieser Wohnung zusammenbrechen würde.
Andrey trat schnell vor.
« Mach es nicht auf… » flüsterte er.
Aber er war zu spät.
Svetlana war bereits auf dem Weg zur Tür.
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