Sie nannte mich dumm, bis der Campus-Sicherheitsdienst die Tür zum Wohnheim öffnete.

Achtzehn Jahre lang nannte mich meine Mutter die Dumme.

Anfangs meinte sie es nicht als Beleidigung.

Sie sagte es, als wäre es eine Diagnose.

Natalie war die Kluge, weil sie seit ihrer Geburt sehr still gewesen war.

Eden war die Hübsche, weil die Krankenschwestern sagten, sie habe zarte Gesichtszüge.

Miles war der Starke, weil er groß und laut auf die Welt kam.

Ich war die Dumme, weil ich klein und blau geboren wurde und Atemprobleme hatte.

Mama glaubte, der erste Eindruck zähle alles.

Sie prägte unsere Rollen in Babyalben, Schulformularen, Krankenakten und schließlich sogar in unseren Körper ein.

Natalie wurde für ihre Antworten gelobt und dann bestraft, weil sie malen wollte.

Eden wurde für ihre Schönheit gepriesen, aber dann dem Hungertod überlassen, als ihr Körper versuchte, stärker zu werden.

Miles wurde gesagt, Schmerz sei eine Schwäche, bis seine Knochenbrüche zu einer Belastung wurden.

Ich wurde nach der dritten Klasse von der Schule verwiesen, weil ich zu gut lesen konnte.

Meine Mutter erzählte allen, ich hätte eine schwere Lernschwäche.

In Wahrheit fiel es mir immer schwerer, mich zu beherrschen.

Sie gab mir Tabletten, die meine Gedanken abschweifen ließen.

Sie sagte, sie hätten mir bei meinem Gesundheitsproblem geholfen.

Bei ihrem halfen sie.