TEIL 1
„Mein Herr, machen Sie keinen Mucks … wenn Ihre Frau Sie hört, verlässt Ihre Tochter dieses Haus nicht lebend.“
Alejandro Mondragón stand wie erstarrt im Nebeneingang seiner Villa, einen Strauß weißer Rosen in der Hand, sein Herz hämmerte, als würde es ihm aus der Brust springen.
Niemand wusste, dass er zurück war.
Er war angeblich noch in Madrid und schloss den größten Hoteldeal seines Lebens ab. Renata, seine Frau, hatte ihm die ganze Woche über liebevolle Nachrichten geschickt: Fotos von Drinks, eleganten Abendessen, seine Tochter Valentina, die leicht in die Kamera lächelte. Doch irgendetwas an diesem Lächeln hatte ihn verletzt.
Also buchte er ohne Vorwarnung seinen Flug um.
Er landete in Mexiko-Stadt, nahm ein normales Taxi vom Flughafen und hielt vor seiner Ankunft in Lomas de Chapultepec in einem Blumenladen in Polanco an. Er kaufte dieselben weißen Rosen, die er Renata bei seinem Heiratsantrag geschenkt hatte.
Er kam, um sich für die vielen Reisen, die vielen Abwesenheiten und die vielen Male zu entschuldigen, in denen er gedacht hatte, dass die Bezahlung von Schulen, Fahrern und Urlauben dasselbe sei wie Anwesenheit.
Doch als er sich seinem Haus näherte, bemerkte er etwas Seltsames.
Musik lief.
Luxusautos standen in der Auffahrt.
Er hörte Lachen, klirrende Gläser, elegante Stimmen. Eine Party. In seinem Haus. Eine Party, von der niemand gesprochen hatte, weil alle dachten, er sei am anderen Ende der Welt.
Alejandro bat darum, einen Block weiter weg abgesetzt zu werden. Langsam ging er, betrat das Haus durch den Personaleingang, und kaum hatte er die Küche durchquert, ließ Maricela, die Haushälterin, die schon seit Jahren für sie arbeitete, ein Tablett fallen. Gläser zersplitterten auf dem Marmorboden.
„Maricela, ich bin’s“, flüsterte er.
Doch sie eilte auf ihn zu und hielt ihm den Mund zu.
„Seien Sie still, Sir. Bitte. Sie müssen etwas sehen, bevor ich nach unten gehe.“
Alejandro spürte, wie ihm das Blut in den Adern gefror.
Maricela führte ihn die Dienstbotentreppe hinauf, weg von der Musik und dem teuren Parfüm der Gäste. Der erste Stock war dunkel. Zu still für ein Haus voller Menschen.
Sie blieben vor Valentinas Zimmer stehen.
Die Tür war angelehnt.
„Geh noch nicht hinein“, sagte Maricela mit Tränen in den Augen. „Sieh erst nach.“
Alejandro schob die Tür einen Spalt auf.
Und seine Welt zerbrach.