Ich hatte zwei Jobs, um meinem Mann den Traum vom Arztberuf zu ermöglichen – bei seinem Studienabschluss übergab er mir die Scheidungspapiere, doch dann hielt mich sein Kommilitone davon ab.

 

Als mein Mann sein Medizinstudium abgeschlossen hatte, glaubte ich, die schwersten Jahre unseres Lebens endlich hinter uns zu haben. Doch dann, an dem Tag, an dem all unsere Opfer belohnt wurden, drückte er mir einen Umschlag in die Hand, der alles veränderte.

Als Nathan und ich uns kennenlernten, waren wir beide im ersten Studienjahr und glaubten, ständige Erschöpfung bedeute Erfolg.

Wir trafen uns im Anatomiesaal, als wir nach dem letzten Paar Handschuhen griffen.

„Die hast du dir geschnappt“, sagte er.

„Ich war zuerst da.“

„Das ist nicht dasselbe.“

Er lachte, und irgendwie begann damit unsere Beziehung.

Wir fingen noch in derselben Woche an, zusammen zu lernen. Schon bald aßen wir hastig zwischen den Vorlesungen, begleiteten uns gegenseitig nach langen Nächten in der Bibliothek nach Hause und sprachen über die Zukunft, als wäre sie schon zum Greifen nah.

Er wollte Innere Medizin studieren. Ich träumte von Notfallmedizin. Nathan bevorzugte Struktur. Ich blühte im Fluss des Lebens auf. Er gab mir Halt, und ich brachte ihn zum Lachen, wenn er es mal wieder vergaß.

Damals glaubte ich, das reiche.

Liebe, harte Arbeit und eine gemeinsame Zukunft.

Dann zerbrach seine Familie.

Das Geschäft seines Vaters ging pleite. Der Gesundheitszustand seiner Mutter verschlechterte sich. Ihr Geld war so schnell weg, dass es sich kaum real anfühlte. Ich erinnere mich noch gut daran, wie Nathan eines Abends auf dem Boden meiner Wohnung saß, seinen Studiengebührenbescheid in der Hand hielt und ihn anstarrte, als hätte er ihn persönlich verraten.

„Ich glaube, das war’s“, sagte er.

„Nein.“

„Wir finden schon einen Weg.“

Er sah mich erschöpft an. „Womit denn?“

Das war das erste Mal, dass ich verstand, was Angst mit Nathan anstellte. Es ließ ihn innerlich zusammenbrechen, Stück für Stück schrumpfen, während ich hilflos neben ihm stand.

Ich hätte mir das später merken sollen.

Drei Wochen nach diesem Gespräch brach ich mein Medizinstudium ab.

Nathan wehrte sich zunächst.

„Nein“, sagte er. „Auf keinen Fall.“

„Mach keine Witze darüber.“

„Ich mache keine Witze.“

Sein Gesichtsausdruck wechselte von Schock zu Wut und schließlich zu tiefem Schmerz.

„Ich kann“, sagte ich. „Und ich tue es für uns.“

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