Mein Mann hat mich aus dem Haus geworfen, ohne mir etwas mitzugeben… drei Tage später öffnete er den Kleiderschrank und bemerkte seinen Fehler.

Mein älterer Bruder.

Sebastian Monroe.

Sein Kiefer war angespannt.

Als er meine Kleidung, meine leeren Hände und meine Füße in Hausschuhen sah, verfinsterte sich sein Blick.

„Steig ein.“

Ich öffnete die Tür und setzte mich auf den Beifahrersitz.

Die Klimaanlage war kalt.

Ich bekam Gänsehaut.

Sebastian startete den Wagen nicht sofort.

Er nahm seine Sonnenbrille ab und sah mich an.

„Hat er dich einfach so rausgelassen?“

Seine Stimme war leise.

Aber er zitterte vor Wut.

Ich schnallte mich an.

„Ja.“

„Wo ist dein Handy?“

„Er hat es behalten.“

„Dein Portemonnaie? Deine Schlüssel? Deine Dokumente?“

Ich schaute aus dem Fenster.

„Ich habe sie nicht mitgenommen.“

„Warum?“

„Er hat gesagt, ich darf nichts aus dem Keller-Haus mitnehmen.“

Sebastian schlug mit der Faust aufs Lenkrad.

Die Hupe ertönte.

Mehrere Autos in der Nähe hielten an.

„Du verdammter Mistkerl!“

Er öffnete die Tür, bereit auszusteigen.

„Ich komme zurück und schlage ihm die Fresse ein!“

„Sebastian!“

Meine Stimme hielt ihn auf.

„Geh nicht!“

„Was soll das heißen, geh nicht? Was bildet der sich ein, dich so zu demütigen?“

Ich sah ihn an.

Meine Augen waren trocken.

„Ich habe Hunger.“

Er erstarrte.

„Was?“

„Können wir vorher was essen gehen?“

Der ganze Zorn meines Bruders schien in ihm zu explodieren.

Er starrte mich einige Sekunden lang an.

Dann schloss er die Tür.

Er startete den Wagen.

„Was möchtest du essen?“

„Die Wan-Tan-Suppe aus der Altstadt … gibt es die noch?“

Sebastian schwieg einen Moment.

Dann nickte er.

„Ja. Der Besitzer ist noch derselbe.“

„Dann nehme ich Wan-Tan.“ Chinesische Küche

Ich schloss die Augen.

Äußerlich wirkte ich ruhig.

Innerlich dachte ich nur an eines.

Adrián Keller hatte mich rausgeschmissen, ohne mir etwas mitzugeben.

Aber er wusste nicht, dass schon seit Monaten alles, was wirklich zählte …

aus dem Haus entfernt worden war. Beleuchtung

Der Kleiderschrank war leer, der Safe auch … und mein Mann begriff, dass er mich nicht rausgeschmissen hatte: Ich war schon weg.

Die Wan-Tan-Suppe schmeckte noch genauso.

Klare Brühe. Suppen und Eintöpfe.