Auf einer Familienfeier schlug mich mein Mann. „Halt dich da raus!“, zischte meine Schwiegermutter. Daraufhin drehte er sich um und trat mir, im fünften Monat schwanger, in den Bauch. Er hielt mich für ein hilfloses Opfer. Er ahnte nicht, dass ich diesen Moment monatelang geplant hatte.

Ein Kristalllüster tauchte das geräumige Esszimmer im Landhaus meiner Schwiegereltern in ein gedämpftes, formelles Licht. Vorsichtig, Hand in Hand mit den letzten polierten Silbergabeln, sicher und präzise. Ich beschloss, dass es unmöglich war, die Kristallgläser aus der Sowjetzeit, den Stolz und meine Schwiegermutter Victoria von diesem Ort zu trennen. Der Tisch, bedeckt mit einer strahlend weißen, dezent bestickten Tischdecke, war ein Bild der Perfektion. Arthurs Schwiegervater feierte seinen 65. Geburtstag, ein Ereignis, das makellos sein musste. Daran hing mein Überleben.

Am anderen Ende des Raumes beobachtete mich mein Mann Mark. Seine schwere Hand lag auf meiner Schulter, und ich zuckte unwillkürlich zusammen. „Warum zögerst du so?“, fragte er mit zusammengebissenen Zähnen, während sich seine Lippen zu einem Lächeln für jeden eintretenden Gast verzogen. „Die Gäste kommen.“

Dieses Lächeln für Fremde und Militärangehörige klang in seiner Stimme mir gegenüber fest – es war typisch für ihn. Eine Hand streicht mechanisch über meinen runden Bauch, wie ein unbewusster Schutzschild gegen einen unsichtbaren Schlag. In der fünften Stunde fühle ich mich zunehmend ausgeschlossen, doch das lockere, gedeckte grüne Kleid verbirgt die sanfte Wölbung unseres erwarteten Erstgeborenen.

Für die Welt war unser Leben ein Märchen. Mark, erfolgreicher Single, der Top-Verdiener der Stadt. Ich, seine schöne Frau, Grundschullehrerin. Ein Baby unterwegs. Ein Zuhause voller Liebe. Doch hinter den verschlossenen Türen unserer Wohnungen, wo sich viel kleinere Geschichten abspielten, eine Geschichte, die fast sieben Jahre Ehe bewahrt wurde.

Die Gäste trafen ein, umgeben von teuren Parfums und Schullachen. Victoria, eine Partygängerin, die es gewohnt war, alle zu beherrschen, begrüßte jeden mit perfekt einstudierten Phrasen. Ich fühlte mich wie in einem Theaterstück.

„Anna, Liebes!“, rief mir meine Nachbarin Jean zu. „Wie geht es dir? Weißt du schon, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird?“