„Nein, Mariana, du weißt es nicht.“ Seine Stimme wurde härter. „Es werden Kameras da sein, Investoren, Leute, die entscheiden können, ob Grupo Alvarado das Santa-Fe-Projekt bekommt oder leer ausgeht. Ich brauche jemanden mit Ausstrahlung an meiner Seite.“
Doña Leonor lachte leise.
„Diego braucht eine Frau, die mit Gouverneuren reden kann, nicht jemanden, der sich nur darum kümmert, ob das Geschirr glänzt.“ Gesellschaft und Gesellschaft
Claudia, Diegos jüngere Schwester, erschien und filmte mit ihrem Handy.
„Außerdem, reg dich nicht zu früh auf“, sagte sie und lächelte dabei in die Kamera. „Mein Bruder geht nicht allein.“
Die Haustür öffnete sich.
Valeria Ríos trat ein, als gehöre das Haus auch ihr. Sie trug ein figurbetontes, bordeauxrotes Kleid, ihr Haar war perfekt frisiert, und sie trug eine kleine Handtasche, die mehr kostete als Marianas Auto, als sie Diego kennenlernte.
Valeria war die PR-Direktorin von Grupo Alvarado.
Sie war auch die Frau, die Diego um zwei Uhr morgens eine SMS schrieb, die ihn zu „dringenden Meetings“ in Cancún begleitete und die ihm auf Fotos, die später aus den sozialen Medien verschwanden, zu nahe kam.
Valeria ging zu Diego und rückte seine Fliege am Smoking mit einer schmerzlich vertrauten Miene zurecht.
„Der Fahrer wartet“, sagte sie.
Mariana sah Valerias Hand auf der Brust ihres Mannes.
„Nimmst du sie als Begleitung mit?“
Diego presste die Zähne zusammen.
„Fang bloß nicht damit an.“
„Ich habe dir eine Frage gestellt.“
Er beugte sich so nah zu ihr, dass nur sie ihn hören konnte.
„Bevor du mich kennengelernt hast, hast du in einer winzigen Wohnung über einem Schreibwarenladen in Coyoacán gewohnt. Du hast No-Name-Klamotten getragen und bist ein Auto gefahren, das aussah wie ein altes Taxi. Alles, was du jetzt hast, verdankst du mir.“
Mariana sah ihn mit einer Ruhe an, die ihn ärgerte.
„Meinst du das wirklich?“
„Ich weiß.“
Valeria lächelte.
Doña Leonor griff nach ihrer Handtasche.
„Beeil dich, Diego. Komm nicht wegen ihr zu spät.“
Claudia warf einen letzten Blick in die Küche.
„Wenn wir fertig sind, lade ich ein paar Fotos hoch. Dann siehst du wenigstens, wie sich die Leute wirklich kleiden.“
Minuten später beobachtete Mariana vom Fenster aus, wie Diego Valeria in den schwarzen SUV half. Bevor er einstieg, legte er seine Hand um ihre Taille und küsste sie an der offenen Tür.
Dann stiegen auch Doña Leonor und Claudia ein.
Der SUV fuhr durch das Tor der Villa und verschwand zwischen den beleuchteten Bäumen.
Mariana sah den Rücklichtern nach, bis sie erloschen.
Acht Jahre lang hatte sie Ertragen mit Lieben verwechselt.
In dieser Nacht, als Wasser über das schmutzige Geschirr lief und ihr Blut eine weiße Serviette befleckte, verstand sie den Unterschied.
Und was sie dann tat, hätte sich keiner von beiden vorstellen können.
TEIL 2: DAS BÜRO, DAS DIEGO NIEMALS HÄTTE IGNORIEREN SOLLEN
Es war so still im Haus, dass Mariana das Summen des Kühlschranks und das ferne Echo der Autos auf dem Paseo de la Reforma hören konnte.
Sie zog ihre Gummihandschuhe aus, legte sie neben die Spüle und ging zum Weinkeller.
Auf den ersten Blick war es ein eleganter Raum mit antiken Flaschen, dunklen Holzregalen und einem Tisch für private Verkostungen. Diego ging nur selten hinein. Er sagte, er langweile sich bei „den Launen reicher alter Leute“.
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Mariana nahm eine leere Flasche Añejo-Tequila aus dem dritten Regal und drückte eine kleine Metallscheibe, die dahinter verborgen war.