Claire hielt den Jungen am Reden.
„Emily, hör mir zu. Die Polizei ist unterwegs.“ „Sie kommen gleich.“
Ein leises Schluchzen drang aus dem Lautsprecher.
„Sie kommt hoch …“
Claires Herz pochte ihr bis zum Hals.
„Emily –“
Die Verbindung war unterbrochen.
Als Daniel und Maria sich dem Maplewood Drive näherten, wirkte die ganze Straße erschreckend normal. Die Verandalichter leuchteten hell auf dem gepflegten Rasen. Ein weißer Lattenzaun umgab das Haus. Eine Schaukel stand regungslos im Garten.
Es sah aus wie so ein Ort, wo Kinder ihre Fahrräder im Gras stehen ließen und Nachbarn sich Zucker liehen.
Genau das machte es so schlimm.
Maria klingelte zuerst.
Fünf Sekunden.
Zehn.
Dann öffnete sich die Tür. Türen und Fenster.
Ein großer Mann in den Vierzigern stand da, in Jeans und grauem T-Shirt. Sein Gesichtsausdruck war so ruhig, als wäre er geübt.
„Gute Nacht, Beamte.“
Daniel behielt ihn im Auge.
„Wir haben einen Notruf von dieser Adresse erhalten.“
Das Gesicht des Mannes bewegte sich kaum.
„Da hat wohl jemand einen Fehler gemacht.“
„Ein kleines Mädchen hat angerufen“, sagte Daniel.
In diesem Moment sah Maria ihn.
Es dauerte weniger als eine Sekunde. Ein kurzer Blick. Keine Verwirrung. Anatomie.
Erkennen.
„Meine Tochter schläft“, sagte der Mann schnell. „Ich bin Thomas Miller.“
Dann, von der Treppe hinter ihm, ertönte ein kaum hörbares Geräusch.
Ein leises, unterdrücktes Schluchzen.
Alle drei drehten sich um.
Ein Mädchen stand in einem rosa Pyjama auf halber Treppe und umklammerte einen alten Stoffhasen so fest, dass sich dessen Ohr in ihrer Faust verhakt hatte. Sie sah etwa acht Jahre alt aus. Ihr Gesicht war vom Weinen geschwollen. Ihre Hände zitterten.
Und sie wollte ihren Vater nicht ansehen.
„Papa …“, flüsterte sie. Christentum.
Das genügte Maria.
Sie ging durch die Tür.
Thomas stellte sich ihr in den Weg.
„Du kommst nicht in mein Haus …“
Aber Daniel war schon drinnen.