Ein kleines Mädchen rief weinend den Notruf: „Papas Schlange ist so groß, sie tut weh!“ …1

Im Obergeschoss erzählte Emilys Zimmer eine Geschichte, die der Vorgarten niemals erzählen würde. Spielzeug lag verstreut auf dem Boden, aber nicht, als hätte ein Kind damit gespielt. Eher, als wäre es achtlos weggeworfen worden. Eine Schublade hing schief. Blätter Papier waren verdreht. An Emilys Arm, knapp unter dem Ärmel ihres Schlafanzugs, sah Maria dunkle, fingerförmige Blutergüsse. Anatomie.

Sie kniete sich hin, bis sie auf Augenhöhe mit dem Jungen war.

„Emily“, sagte sie sanft, „kannst du mir erzählen, was passiert ist?“

Das Mädchen drückte das Kaninchen so fest an ihre Brust, dass ihre Knöchel weiß wurden.

Ihr Blick wanderte zum Flur, wo Daniel Thomas zurückhielt.

Dann flüsterte sie die Worte, die den ganzen Raum veränderten.

„Er sagte, wenn ich es ihm erzähle … bringt er mich um.“

„Sie weiß nicht, was sie sagt. Sie ist verwirrt.“ „Sie hat Albträume …“

„Dreh dich um“, brach Daniel zusammen.

Zum ersten Mal verlor Thomas die Fassung.

Maria fixierte Emily mit ihren Blicken.

„Hat er dir letzte Nacht wehgetan?“

Emily machte eine kleine Geste.

Dann glitt ihr Blick über Marias Schulter.

Am anderen Ende des Zimmers befand sich ein schmaler Schrank.

Auf den ersten Blick wirkte er unscheinbar.

Dann bemerkte Maria das Messing-Schiebeschloss, das außen an der Tür angeschraubt war.

Nicht innen.

Außen.

Ihr Herz zog sich zusammen.

Nah des Rahmens waren flache Kratzspuren, gerade tief genug, um von kleinen Händen zu stammen.

Emily sah, wohin Maria blickte, und ihr wich die Farbe aus dem Gesicht.

Der Stoffhase glitt ihr aus den Armen auf den Teppich.

„Bitte …“, flüsterte sie und wich zurück. „Mach das nicht auf, solange ich hier bin …“

Und als Maria nach dem Schloss griff, war es verschlossen. Das Mädchen stieß einen so markerschütternden Schrei aus, dass es alle im Haus verstummte.