Ich fuhr an den Stadtrand.
Die Adresse führte mich zu einem kleinen Backsteingebäude.
Es war keine Villa.
Nicht einmal ein luxuriöses Büro.
Es war eine alte Tischlerwerkstatt.
Über der Tür hing ein Holzschild. Türen und Fenster
„Evelyn & Söhne.“
Diesen Namen hatte ich noch nie gehört.
Ich drückte die Tür auf.
Drinnen roch es nach frisch geschnittenem Holz.
Ein alter Mann blickte von seiner Werkbank auf.
Als er mich sah, lächelte er traurig.
„Na, endlich bist du da.“
„Kanntest du Evelyn?“
Der Mann lachte leise.
„Ich habe vierzig Jahre mit ihr zusammengearbeitet.“
Dann deutete er auf den Schlüssel in meiner Hand.
„Damit kann man keinen Tresor öffnen. Tresore und abschließbare Kisten.“
„Mach deine Werkbank auf.“
Ich verzog das Gesicht.
—Ich verstehe nicht.
Der Mann ging nach hinten in die Werkstatt.
Dort stand ein komplett ausgestatteter Arbeitsplatz.
Neues Werkzeug.
Pläne.
Holz von höchster Qualität.
Und eine Bronzetafel.
„Für Daniel reserviert.“
Ich war sprachlos.
Der alte Mann sprach ruhig.
„Drei Jahre lang kam er jede Woche.
Er hat diesen Platz im Voraus bezahlt.
Er sagte, dass du eines Tages aufhören würdest, nach Abkürzungen zu suchen …
… und wieder mit deinen eigenen Händen Dinge bauen würdest.“
Ich starrte wie gelähmt auf die Werkbank. Bauen und Instandhalten.
Dann fügte der alte Mann einen Satz hinzu, der mir das Herz stehen ließ.
„Aber Evelyn konnte dir etwas nie sagen.
Du warst nicht der erste verzweifelte Mann, den sie zu retten beschloss.
Vor 35 Jahren …
heiratete sie ein anderer junger Mann aus genau demselben Grund.
Und was ihm widerfahren ist, erklärt, warum er dich wählte.“