„Mateo, es ist dein Kind.“
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.
Er war nicht mehr der Junge, der mir nach der Schule Snacks kaufte.
Er war ein anderer Mensch.
Kalt.
Berechnend.
„Sag das nicht laut.“
An diesem Nachmittag kam seine Mutter zu uns. Immobilienmaklerin.
Frau Rebecca Rivas.
Teure High Heels.
Designerhandtasche.
Starkes Parfüm.
Meine Mutter begrüßte sie, in der Annahme, sie könne sich wie eine Erwachsene unterhalten. Sie irrte sich. Frau Rebecca legte einen gelben Umschlag auf den Tisch.
„Fünfzigtausend Pesos“, sagte sie, „damit Ihre Tochter die Schule wechseln und aufhören kann, sich Dinge auszudenken.“
Meine Mutter rührte den Umschlag nicht an.
Mein Vater schon.
Nicht um ihn anzunehmen.
Um ihn auf den Boden zu werfen. Bau- und Instandhaltungspersonal.
„Meine Tochter ist nicht zu verkaufen.“
Ich hätte vor Erleichterung weinen können.
Aber Frau Rebecca lächelte.
„Dann mach dich bereit. Denn mein Sohn wird keine Verantwortung für ein Mädchen ohne Zukunft übernehmen.“
Keine Zukunft.
So nannte sie mich.
Als wäre mein Baby schon jetzt ein Makel.
Als wäre mein Mutterleib eine öffentliche Schande und kein Leben.
Am nächsten Morgen sprach mein Vater beim Frühstück kein Wort.
Meine Mutter kämmte mir die Haare fester als sonst.
Als wir in der Schule ankamen, verstand ich, warum.
Es gab ein Gespräch.
Mit dem Direktor. Der Schulpsychologin.