Meine Familie verkaufte mich an einen 70-jährigen Milliardär, um ihre Schulden zu tilgen – doch in unserer Hochzeitsnacht stürmte ein maskierter Killer mein Zimmer. Mein „gebrechlicher“ Ehemann ließ seinen Gehstock fallen, schlug den Mann in Sekundenschnelle nieder und schälte ihm die faltige Haut vom Gesicht. Der junge Mann unter ihm sah zu mir auf und flüsterte: „Deine Familie hat dich nicht an mich verraten, Claire. Sie hat mir den einzigen Zeugen geliefert, den ich brauche …“

Die Frau, die im zerbrochenen Türrahmen stand, hatte mein Gesicht.

Es gab keine Ähnlichkeit.

Nicht diese vage Ähnlichkeit, die man mit entfernten Verwandten teilt.

Mein Gesicht.

Die gleichen hohen Wangenknochen. Das gleiche schmale Kinn. Sogar die leichte Wölbung meiner Oberlippe, über die sich meine Mutter meine ganze Kindheit lang beschwert hatte.

Für einige Sekunden vergaß ich die bewaffneten Männer, die den Flur hinter ihr füllten.

Ich vergaß Nathan.

Ich vergaß den bewusstlosen Mörder auf dem Boden.

Ich konnte nur starren.

Die Frau trug einen schwarzen Mantel über dunkler taktischer Ausrüstung. Ihr Haar war etwas länger als meines, und eine dünne weiße Narbe verschwand unter ihrem linken Ohr.

Sie sah älter aus.

Härter.

Als hätte jemand mein Spiegelbild genommen und es gezwungen, einen Krieg zu überleben.

Nathan trat vor mich.

Die Frau lächelte.

Nicht herzlich.

Ein Funken Wiedererkennung huschte über ihr Gesicht.

Alter Hass.

Alter Schmerz.

Dann hob er eine Pistole.

Nathan zog mich in den versteckten Flur, als der erste Schuss den Spiegel über dem Schminktisch zersplitterte.

Wir rannten.

Der versteckte Flur war eng und stockdunkel, bis auf ein paar schwache Notlichter am Boden. Nathan schloss die Tür hinter uns und gab einen Code in ein Metallpanel ein.

Schwere Schlösser rasteten ein.

Ich wich zurück.

Mein Kopf fühlte sich an wie Glassplitter.

Eleanor.

Der Name auf dem Foto.

Die Schwester, von deren Existenz ich nichts wusste.

Die Frau mit meinem Gesicht.

Nathan ging schnell den Flur entlang, aber ich blieb stehen.

Er drehte sich um.

Ich verlangte die Wahrheit.

Ausnahmsweise sagte er sie mir.

Eleanor Whitmore war achtzehn Monate vor mir geboren.

Es gab keine Kinderfotos von ihr in unserem Haus, weil meine Eltern sie vernichtet hatten.

Es gab keine Schulakten auf ihren Namen, da sie versiegelt worden waren.

Im Familiensafe befand sich keine Geburtsurkunde, da Daniel sie mit siebzehn Jahren verbrannt hatte.

Meine Schwester war ausgelöscht worden.

Nathan erklärte alles, während wir tiefer unter Blackwood Manor vordrangen.

Zwölf Jahre zuvor hatte Eleanor etwas in Whitmore Holdings entdeckt.

Sie war erst sechzehn.