Das Problem ist dein Mann.
In den nächsten Tagen rief Wladimir an, schrieb SMS und kam bei seinem Freund vorbei.
Anna reagierte nicht.
Eine Woche später schlug er ein Treffen vor.
Sie setzten sich in ein Café.
Er sah müde aus.
„Willst du dich wirklich scheiden lassen?“
„Ja.“
„Gibt es sonst noch etwas, was ich tun kann?“
Anna sah den Mann an, den sie einst so lange geliebt hatte.
„Nein.“
„Ich habe mit meiner Mutter gesprochen. Sie hat versprochen, sich nicht mehr einzumischen.“
„Glaubst du das?“
Er antwortete nicht.
„Du wirst dich nicht ändern. Sie auch nicht. Und ich will nicht mein ganzes Leben lang um einen Platz an der Seite meines Mannes kämpfen.“
„Ich wollte nicht, dass es so endet.“
„Ich auch nicht.“
Die Scheidung dauerte zwei Monate.
Wladimir stimmte allen Bedingungen zu. Die Wohnung blieb bei ihm, und er zahlte Anna die ihr zustehende Entschädigung.
Einige Monate später erfuhr sie von Freunden, dass er zu seiner Mutter zurückgekehrt war. Er zog bei ihr ein und vermietete seine Wohnung.
Sie war nicht überrascht.
Sie mietete sich selbst eine kleine Wohnung.
Zum ersten Mal seit Jahren schrieb ihr niemand mehr vor, wie sie ihr Geld auszugeben hatte.
Sie gab ihren Bonus genau so aus, wie sie es von Anfang an geplant hatte.
Sie flog für eine Woche nach Sotschi.
Sie kaufte sich ein neues Sofa und stockte ihre Garderobe auf.
Jeder Kauf bereitete ihr Freude, weil es ganz allein ihre Entscheidung war.
Nach einer Weile lud Lera sie ins Theater ein.
Dort lernte Anna Igor kennen.
Sie unterhielten sich angeregt und ungezwungen. Ein paar Tage später trafen sie sich auf einen Kaffee. Und dann wieder.
Igor war Ingenieur. Er liebte seine Eltern, sprach oft mit ihnen, traf aber alle Entscheidungen selbst.
Als Anna ihm von ihrer Heirat erzählte, hörte er aufmerksam zu.
„Ich verstehe“, sagte er. „Ich war mal mit einer Frau zusammen, die nichts ohne die Zustimmung ihrer Mutter tun konnte. Da wurde mir klar, dass ich eine Partnerin wollte, nicht jemandes ewiges Kind.“