„Mia, sieh mich an. Mach die Augen auf.“
Ihre Lider zitterten.
„Liam?“, flüsterte sie.
Dann breitete sich Panik auf ihrem Gesicht aus. Sie packte mein Handgelenk und schrie.
„Nein! Bitte, bring mich nicht zurück!“
„Ich bringe dich nicht zurück“, versprach ich. „Was ist passiert?“
Ihre Zähne klapperten, als sie versuchte zu sprechen.
„Vater sagte, ich sei eine Fehlinvestition. Er sagte, Fehlinvestitionen würden liquidiert. Er hat mich rausgeschmissen und gesagt, wenn ich zurückkäme, kämen die Ärzte mit Spritzen.“
Ich starrte sie an und konnte kaum begreifen, was ich hörte.
„Hat er dir wehgetan?“
Mia senkte den Blick.
Vorsichtig öffnete ich den Kragen ihres nassen Pyjamaoberteils. Ich erwartete, gerötete Haut vorzufinden.
Stattdessen sah ich blaue Flecken.
Plötzlich überkam mich eine unbändige Wut.
„Ich habe das Buch gefunden“, flüsterte Mia. „Ich habe eine Seite herausgerissen. Ist das der Grund, warum sie mir wehgetan haben?“
Mit zitternder Hand griff sie in ihre Tasche und zog ein zerknittertes, wasserbeschädigtes Stück Papier hervor.
Ich faltete es vorsichtig auseinander.
Es war keine Buchseite.
Es war ein offizielles Dokument.
Sterbeurkunde
Name: Mia Sterling
Sterbedatum: 25. Dezember 2024
Todesursache: Unfallbedingte Unterkühlung
Ich sah mir das Datum noch einmal an, überzeugt, mich verlesen zu haben.
Es war der 24. Dezember.
Sie hatten die Sterbeurkunde meiner Schwester schon vor ihrem Tod ausgestellt.
„Vorherige“