„Hallo, Kirill, hallo! Ist etwas nicht in Ordnung?“
„Hi, Sergei. Störe ich?“ Kirills Stimme war vollkommen sachlich.
„Nein, wir sind noch wach. Seid ihr schon da?“
„Alles klar. Hör mal, ich hätte da eine Frage. Hier sind zwei Zimmer frei geworden.“
In der Küche herrschte betretenes Schweigen. Galina sah ihren Mann verständnislos an. „Zwei?“
„Oh!“, klang die Stimme am Telefon überrascht. „Was? Wirfst du deine Eltern raus oder so?“, scherzte er.
„Genau“, antwortete Kirill ohne ein Lächeln. In diesem Moment verfinsterte sich das Gesicht seiner Mutter. „Ja, in derselben Wohnung. Ihr könnt morgen einziehen. Sucht nach anständigen, solventen Leuten. Eine Familie wäre gut, aber keine Kinder oder Haustiere. Zwei Monate Miete im Voraus. Ich schicke euch gleich Fotos von den Zimmern. Macht’s gut.“
Er beendete das Gespräch und legte den Hörer auf den Tisch. Dann wandte er sich seinen verängstigten Verwandten zu. Sein Vater sah ihn an, als hätte man ihm gerade einen Schlag in die Magengrube versetzt. Lera und Maksim saßen mit offenem Mund da und begriffen endlich das Ausmaß des Desasters, das sie angerichtet hatten.
„Ich sehe, ihr habt es nicht verstanden“, begann Kirill ruhig und wandte sich an seine Eltern. „Ihr habt beschlossen, dass die Wohnung unsere gemeinsame Wohnung ist, weil ich die Hypothek zahle. Nein. Es ist meine Wohnung. Mein Eigentum und meine Last. Und da ihr meine Regeln nicht respektiert, werdet ihr nach den Regeln des Marktes leben. Die Hypothek zahlt sich nicht von selbst ab. Eure Zimmer sind also ab morgen zu vermieten.“
Er hielt inne und gab ihnen Zeit, die Tiefe des Abgrunds zu begreifen, in den sie stürzten.
„Ihr habt die Wahl. Ihr könnt natürlich zu Lera ziehen. Schließlich braucht sie Hilfe; sie ist Familie. Ich bin sicher, sie und Maksim werden euch herzlich willkommen heißen. Oder“ – er hielt erneut inne – „es gibt noch eine andere Möglichkeit: mein Zimmer. Sobald Lera und ihr Freund ihre Sachen ausgeräumt haben, könnt ihr einziehen. Nur ihr zwei.“ Ihr werdet in einem Zimmer wohnen, genau wie früher. Wie romantisch.
Er sah sie ohne Wut, ohne Reue an. Mit der kalten Ruhe eines Mannes, der eine endgültige Entscheidung getroffen hatte. Er hatte nicht nur seinen Cousin rausgeworfen. Er hatte seine Eltern aus seinem Leben verbannt und sie von den Herren des Hauses zu erbärmlichen Untermietern gemacht, die seinem Willen ausgeliefert waren. Er hatte ihnen nichts gelassen – keinen Stolz, keinen Status, nicht einmal die Illusion von Kontrolle.
Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte er sich um und ging in sein Zimmer. Er knallte die Tür nicht zu. Er schloss sie einfach leise hinter sich. Das Klicken des Schlosses hallte durch die bestürzte Küche wie ein Schuss, der ihr Leben jäh beendet hatte. Dort am Tisch saßen vier Menschen, die gerade alles verloren hatten, und sie hatten nur sich selbst die Schuld daran zu geben.