Ihre Kinder ließen sie gefesselt in der Wüste zurück. Was dann geschah, schockierte sie.

Ihre Kinder hatten sie gefesselt in der Wüste zurückgelassen. Was dann geschah, versetzte sie in einen Schockzustand. Die Nachmittagssonne brannte erbarmungslos auf den rissigen Asphalt der abgelegenen Wüstenstraße. Die Hitze war so intensiv, dass die Luft zu flimmern schien und in der Ferne Fata Morganen erzeugte. Und dort, mit dicken Seilen an einen rostigen Laternenpfahl gefesselt, weinte eine alte Frau mit silbergrauem Haar untröstlich, während ein schwarzes Auto davonraste und eine Staubwolke aufwirbelte, die ihren letzten Atemzug zu verschlingen schien.

Hoffnung. Ihre eigenen Kinder hatten sie einfach dort zum Sterben zurückgelassen. Beatriz’ verzweifelte Schreie verhallten in der Weite der Wüste, wo es keine Zeugen gab außer den Geiern, die über ihr kreisten. Die Seile schnitten in ihre faltige Haut, während die brennende Sonne ihr Gesicht versengte.

Jeder Atemzug war eine Qual in dieser trockenen Luft, die ihr sekündlich das Leben zu rauben schien. Sie war allein, verlassen, verraten von den beiden Menschen, die sie in die Welt gesetzt hatte und die sie mehr als ihr eigenes Leben liebte. Doch was in den nächsten Stunden geschehen sollte, veränderte alles auf eine Weise, die niemand hätte vorhersehen können.

Beatriz Morales war 78 Jahre alt, als ihr Leben eine Wendung nahm, die sie sich niemals hätte vorstellen können, nicht einmal in ihren schlimmsten Albträumen.

Dieser Augustmorgen hatte wie so viele andere in ihrem bescheidenen, eingeschossigen Haus am Stadtrand begonnen. Sie war früh aufgestanden, wie seit über 50 Jahren, seit ihr verstorbener Mann Raúl neben ihr aufgewacht war und sie gemeinsam gefrühstückt und den Tag besprochen hatten. Doch Raúl war sieben Jahre zuvor gestorben, und seitdem lebte Beatriz allein in dem Haus, das einst von Lachen, angeregten Gesprächen und dem Duft der Mahlzeiten erfüllt war, die sie mit Liebe für ihre Familie zubereitet hatte. Nun …

Die Räume wirkten zu groß, zu leer, und die Stille war so tief, dass Beatriz manchmal das Radio einschaltete, nur um menschliche Stimmen zu hören, selbst von Fremden, die über Nachrichten sprachen, die sie nicht interessierten. An diesem Morgen hatte sich Beatriz besonders sorgfältig angezogen.

Sie trug ihr blaues Kleid mit den weißen Blumen. Raúl hatte ihr immer gesagt, dass dieses Kleid ihr wunderschön stand, weil es ihre Augen so schön betonte – Augen, die trotz ihres Alters noch immer ein sanftes Grün hatten, das an Frühlingswiesen erinnerte. Sorgfältig hatte sie ihr langes, silbergraues Haar zu einem tiefen Dutt hochgesteckt, aus dem ein paar Strähnen ihr Gesicht umspielten, das von den Falten gezeichnet war, die das Leben und die Erfahrungen hinterlassen hatten.

Ihre Kinder hatten am Abend zuvor angerufen. Genauer gesagt, Rodrigo, ihr ältester Sohn. Seine Stimme klang angespannt und gehetzt, wie immer. Rodrigo war fünfundvierzig und arbeitete als Manager in einem Bauunternehmen. Er war ständig beschäftigt, immer unterwegs und hatte immer das Telefon in der Hand, um wichtige Anrufe entgegenzunehmen, die keinen Aufschub duldeten.