Eine Bankkarte, ein Scheckheft, sogar eine PIN … Ich hatte ihr das alles Jahre zuvor selbst gegeben. Doch in unserer Scheidungsvereinbarung stand nirgends, dass ich verpflichtet wäre, diese Frau weiterhin zu unterstützen. Ein einfacher Anruf bei der Bank genügte, um die Überweisungen zu stoppen. Punkt. Punkt. Endgültig.
Mein Ex-Mann Julien war zu sehr damit beschäftigt, sich in der luxuriösen Geburtsklinik in Neuilly-sur-Seine um Élodie zu kümmern. Seit seine Geliebte schwanger war, hatte er sie wie ein braver Welpe behütet, aus Angst, dem Kind könnte etwas zustoßen.
Familie? Seine eigene Mutter? Verantwortung?
Diese Worte waren längst aus seinem moralischen Wortschatz verschwunden.
Am selben Abend explodierte mein Messenger. Eine Voicemail nach der anderen, wie ein Kugelhagel, jede absurder als die vorherige:
„Claire, bist du verrückt?“
„Wo bleibt die Überweisung für meine Mutter? Solltest du ihr das Geld nicht geben?“
„Du willst sie wirklich ohne alles gehen lassen? Du undankbares Miststück!“
Ich musste lachen, als ich auf den Bildschirm starrte. Auf dem Wohnzimmertisch glänzte der rote Ordner mit den Scheidungspapieren im Schein der Lampe, eindringlicher als jede Erklärung.
Undankbar?
Ich hatte absolut keine Verbindung mehr zu dieser Familie.
Ich wischte über den Bildschirm, ging nicht ran und legte auf. Ein leichtes, angenehmes Gefühl überkam mich. Sanfter, beruhigender als alles, was ich in all den Jahren erlebt hatte, in denen ich die verständnisvolle Ehefrau gespielt hatte, während sie mich innerlich auffraßen.
In dieser Nacht rief sie an.