Verwelkte Kornblumen – das einzige Andenken ihrer verstorbenen Mutter – glimmten im purpurroten Feuerraum. Lena umklammerte den Schürhaken fest.
– Es war die Schürze meiner Mutter.
„Das ist Mamas, oder vielleicht auch nicht, aber die Ecken sind voller Dreck!“, winkte die Schwiegermutter gleichgültig ab und fegte Mehl von der Arbeitsplatte. „Ich kauf dir ein neues, eins aus Plastik. Dieses alte Ding gehört schon längst in den Müll.“
Lena ließ den Schürhaken auf den gemauerten Vorsprung herab.
Sie erbte das Haus in Snovitsy von ihrer Großmutter: ein solides, geräumiges Blockhaus mit fünf Wänden und hohen Decken. Sie tünchte den Ofen selbst, hängte die Vorhänge auf und bewahrte sorgsam die Habseligkeiten ihrer Mutter auf, die sie aus Kamyschin mitgebracht hatte. Ihr Mann Sergei war nur wenige Schritte entfernt, im Haus ihrer Mutter, gemeldet. Doch Valentina Pawlowna lebte als alleinige Herrin im Haus.
Sie kam jederzeit herein, ohne anzuklopfen. Sie räumte die Gurkengläser um, spülte saubere Teller und murmelte leise vor sich hin. Sergej winkte ihn nur ab: „Lena, sie will doch helfen, warum bist du so wütend?“
„Schütt die Suppe von gestern weg“, sagte Valentina Pawlowna und spähte in den Topf. „Serjoschenka braucht frische Suppe. Seht sie euch an, sie hat nur noch Matsch gekocht.“
– Valentina Pawlowna. Ich habe Sie heute nicht in dieses Haus eingeladen.
„Ich brauche deine Einladung nicht“, grinste die Schwiegermutter und setzte sich auf einen Hocker. „Mein Sohn wohnt hier, also habe ich auch das Recht zu kommen. Der Sohn hat das Sagen, vergiss das nicht! Seine erste Schlampe hat auch ihre Rechte geltend gemacht, bis ich sie rausgeschmissen habe. Also halt den Mund, Lenka.“
Sie zog eine Handvoll Sonnenblumenkerne aus der Tasche und begann, sie direkt auf dem sauberen Boden zu knacken. Lena betrachtete die Schalen; alles darin brodelte vor Leben. In einer halben Stunde musste sie ihre sechsjährige Tochter Olya vom Kindergarten abholen.
Das Mädchen litt an einer schweren Form von Zöliakie. Gluten war Gift für sie. Doch ihre Schwiegermutter beharrte hartnäckig darauf, dass dies alles nur Einbildung der städtischen Ärzte sei.
***
Lena hielt es nicht mehr aus und rief einen Handwerker aus der Stadt. Innerhalb einer Stunde installierte er eine kompakte Überwachungskamera direkt über dem Türrahmen und verband sie mit einer Handy-App.
Drei Tage später hatte Lena in der Apotheke Verspätung; sie hatten vergünstigte Medikamente geliefert bekommen, und sie musste die Packungen manuell ins Kassensystem eingeben. Ihr Smartphone piepte, und eine SMS von Sergej kam: „Mama hat sich bereit erklärt, Olya vom Kindergarten abzuholen, keine Sorge.“
Lena bekam sofort einen kalten Schweißausbruch. Sie warf ihren Stift auf den Tisch und ging, noch immer in ihrem weißen Kittel, zum Ausgang.
„Lena, wo gehst du hin?“, rief die Assistentin ihr nach, aber die Tür war bereits zugeschlagen.
Es war ein zehnminütiger Lauf zum Haus durch den durchnässten Märzlehm, meine Füße rutschten aus.
Das Tor stand weit offen. Die Haustür war verschlossen. Lena rüttelte an der Klinke.
„Olya!“, schrie sie und hämmerte mit den Fäusten auf das bemalte Holz. „Olya, mach auf!“
Stille, nur ein seltsames, pfeifendes Keuchen drang hinter der Tür hervor. Lenas Herz hämmerte ihr bis zum Hals. Sie erinnerte sich an den Ersatzschlüssel unter der Veranda. Mit zitternden Fingern zog sie ihn aus dem Spalt zwischen den Balken und steckte ihn ins Schloss. Eine Drehung, noch eine, und die Tür öffnete sich.
Ein halb aufgegessener Hefekuchen lag auf dem Küchentisch. Mehlkrümel waren überall verstreut. Olya lag neben dem Sofa auf dem Boden. Ihr Gesicht war geschwollen, ihre Augen zu schmalen Schlitzen verengt, ihre Lippen blau. Sie rang nach Luft und stieß dabei ein furchtbares Geräusch aus.