Sie zahlte 300 Dollar für ein verlassenes Waldlabor – und entdeckte dort ein verborgenes Geheimnis, für dessen Bewahrung mächtige Männer töten würden.

Der Auktionator war der Erste, der lachte.

Währungen und Devisenkurse

Nicht etwa, weil Maggie Cole zu schnell die Hand hob, und auch nicht, weil das alte Gerichtsgeb�ude nach Schimmel, verbranntem  Kaffee und Reue roch. Er lachte, weil sich sonst niemand im Raum auch nur die M�he gemacht hatte, so zu tun, als wolle er Parzelle 14B � ein stillgelegtes Forschungsgel�nde, sechs Hektar dicht bewaldetes Land, eine eingest�rzte Zufahrtsstra�e, ein �Geb�ude von fraglicher Sicherheit� und, in den Worten des Landkreises selbst, �keine realistische Aussicht auf eine produktive Nutzung�.

�Miss Cole�, sagte er und kniff die Augen �ber seine Lesebrille zusammen, �nur um sicherzugehen: Sie bieten auf das Blackwood Field Laboratory.�

�Ich habe dich schon beim ersten Mal geh�rt�, erwiderte Maggie.

Sein L�cheln zuckte. �Das Startgebot liegt bei dreihundert Dollar.�

Gewalt und Missbrauch

Schweigen.

Ein Mann mit einer Holzf�llerm�tze murmelte: �Sie sollte sich lieber ein Grab kaufen.�

Ein paar Leute kicherten.

Maggie hob zwei Finger. �Dreihundert.�

Der Auktionator blickte sich gewohnheitsm��ig um. �Habe ich dreif�nfzig?�

Niemand r�hrte sich.

Im hinteren Bereich fl�sterte jemand: �Dieser Ort ist verflucht.�

Kaffee

Eine andere Stimme antwortete: �Verflucht? Es ist vergiftet.�

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Der Auktionator r�usperte sich. �Dreihundert Dollar, einmal versteigert.�

Maggie sa� ganz still da, die H�nde �ber dem Manilakuvert gefaltet, das alles enthielt, was ihr noch geblieben war: den Scheck des Kassierers, den Eigentumsnachweis, die Formulare zur Eigentums�bertragung und ein Foto ihrer Mutter, das sie sich niemals in der �ffentlichkeit anzusehen erlaubte.

�Ich gehe zweimal.�

Niemand sagte ein Wort.

« Verkauft. »

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Der Hammer knallte trocken und einsam herunter.

So kam es, dass Margaret Ann Cole � 32 Jahre alt, k�rzlich pleite, frisch geschieden, k�rzlich arbeitslos und bis auf die Knochen ersch�pft � an einem verregneten Dienstagmorgen in Jefferson County, Oregon, zur Besitzerin eines verlassenen Waldlabors wurde, das die Leute mieden, indem sie die Stra�e �berquerten.

F�r dreihundert Dollar.

Mittags wusste es die ganze Stadt Briar’s Fork.

Bei Sonnenuntergang wartete die H�lfte von ihnen gespannt darauf, wie lange es dauern w�rde, bis sie schreiend davonlief.

Geografisches Referenzmaterial

Maggie erfuhr zum ersten Mal von Blackwood drei Wochen zuvor, als sie in der Bibliothek die Bekanntmachung �ber den �berschuss des Landkreises unter einem Stapel unbezahlter Rechnungen fand.

Sie hatte den Bibliothekscomputer benutzt, weil ihr Telefonanschluss gesperrt worden war und sie sich zu Hause keinen Internetanschluss mehr leisten konnte. Zwei Monate zuvor war die Baufirma, f�r die sie in Eugene gearbeitet hatte, nach einer Klage in Konkurs gegangen. Drei Monate davor war ihre Scheidung rechtskr�ftig geworden. Daniel durfte die Wohnung behalten, weil sein Name zuerst im Mietvertrag stand. Maggie durfte den Truck behalten, weil er kaum noch fuhr und er den Geruch von Motor�l hasste.

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In der Bibliothek, w�hrend sie nach g�nstigen Grundst�cken im l�ndlichen Raum und beschlagnahmten Wohnwagen suchte, fand sie ein eingescanntes Kreisregister mit einer Liste von Problemimmobilien, die zur Zwangsversteigerung anstanden.

Währungen und Devisenkurse

Die meisten entsprachen ihren Erwartungen � schmale Buschstreifen, verschimmelte Wohnwagen, ausgebrannte Schuppen, ein durch �berschwemmungen verformter Angelladen. Dann gab es da noch das Blackwood Field Laboratory.

Die Beschreibung war seltsam.

Ehemalige private biologische Forschungseinrichtung. Seit 22 Jahren geschlossen. Hauptgeb�ude steht. Zustand der Versorgungsleitungen unbekannt. Zufahrtsstra�e instabil. Verkauf im Ist-Zustand. Umweltgenehmigung erforderlich.

Drei unscharfe Fotos waren beigef�gt.

Im ersten Bild wirkte das Geb�ude wie ein totes Wesen, das versucht, im Wald zu verschwinden: niedrige Betonw�nde, breite schwarze  Fenster, ein eingest�rzter Teil des Daches �ber dem, was einst ein Gew�chshaus gewesen sein k�nnte, und Ranken, die wie Finger an der Seite emporrankten.

Gewalt und Missbrauch

Im zweiten Bild lehnte ein verrostetes Schild schief zwischen Farnen:

BLACKWOOD ECOLOGY SYSTEMS �
NUR F�R AUTORISIERTES PERSONAL

Im dritten Raum, halb im Schatten verborgen, befand sich eine runde Stahlt�r, die in einen Hang hinter dem Hauptgeb�ude eingelassen war.

Der Landkreis bewertete das Grundst�ck mit nahezu null. Es gab keinen Stromanschluss, keine Wasserrechte und keine seit 2004 verl�ngerten Genehmigungen. Die Ger�chte in den eingescannten Notizen waren zwar nicht offiziell, aber sie belegten dennoch einiges: Beschwerden von Anwohnern wegen Hausfriedensbruchs, Verdacht auf illegale M�llentsorgung, fehlende Vermessungsmarkierungen und wiederholte Anfragen eines privaten Grundst�cksentwicklungsunternehmens zum Erwerb des Grundst�cks.

Geografisches Referenzmaterial

Das erregte Maggies Aufmerksamkeit.

Zwanzig Jahre lang hatte niemand den Ort haben wollen, aber irgendjemand hatte immer wieder danach gefragt.

Sie druckte die Unterlagen aus.

Dann fuhr sie nach Briar’s Fork, einem Bergst�dtchen mit einem einzigen Diner, einer Tankstelle, einem Futtermittelgesch�ft, einer Kirche mit abbl�tternder wei�er Farbe und einer Stille, die Fremde schon ohne ein einziges gesprochenes Wort unwillkommen f�hlen lie�.

Im Diner fragte sie die Kellnerin nach Blackwood.

Die Frau h�rte auf,  Kaffee einzuschenken.

Türen und Fenster

�Hast du vor, dort in der N�he zu wandern?�, fragte sie.

�Ich �berlege, es zu kaufen.�

Die Kellnerin starrte.

Ein Mann hinter dem Tresen drehte sich auf seinem Hocker um. Er hatte breite Schultern, wei�es Haar unter einer Baseballkappe und das wettergegerbte Gesicht eines Mannes, der sein ganzes Leben im Freien verbracht hatte. �Wof�r soll man das Haus kaufen?�

�Um weiterzuleben. Es vielleicht wieder in Ordnung zu bringen.�

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Der Mann stie� ein lautes Lachen aus. �Meine Dame, selbst in ganz Oregon kann man Blackwood nicht reparieren.�

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�Was ist dort geschehen?�

Niemand antwortete sofort.

Schlie�lich stellte die Kellnerin den Kaffee ab und sagte: �Mein Onkel hat dort Kies rausgeschafft, als das gebaut wurde. Mitte der Achtziger. Privates Labor. Wissenschaftler. Sicherheitstore. Manchmal auch Bundeskennzeichen. Die Leute sagten, sie w�rden den Wald erforschen � Boden, Wurzelsysteme, Grundwasserspiegel, Pilze, all das.�

Der alte Mann schnaubte. �Die Leute sagten auch, sie w�rden Dinge anbauen, die niemand anbauen sollte.�

Die Kellnerin ignorierte ihn. �Dann, eines Winters, machten sie pl�tzlich dicht. Die ganze Nacht Lkw. M�nner in Anz�gen. Im Fr�hling war es leer.�

Mensch und Gesellschaft

�Das war�s?�, fragte Maggie.

Der alte Mann blickte sie �ber den Rand seines Bechers hinweg an. �Nein. Das ist es nicht.�

Er nickte zum Fenster, wo dunkle Tannen die H�gel gleich hinter der Stadt s�umten.

�Drei Jahre nach ihrem Weggang waren alle Fische im Mercer Creek auf einer Strecke von sechs Meilen kreidebleich. Die Rehe tranken nicht mehr daraus. Hunde, die in der N�he des s�dlichen Bergr�ckens frei herumliefen, kamen krank zur�ck oder gar nicht mehr. Die Kreisverwaltung untersuchte das Wasser und vermutete Abw�sser von alten Ger�ten und illegalen M�llablagerungen, konnte aber niemanden daf�r verantwortlich machen. Danach mied niemand mehr Blackwood, es sei denn, es war unbedingt notwendig.�

�Und der verfluchte Teil?�, fragte Maggie.

Kaffee

Die Kellnerin verschr�nkte die Arme. �Das ist der Teil, den die Leute hinzuf�gen, wenn die Wahrheit nicht be�ngstigend genug ist.�

Als Maggie an diesem Abend jedoch zur�ck Richtung Eugene fuhr, sah sie sich den Ausdruck noch einmal an und dachte nicht an Fl�che, vergiftete B�che oder abgebrochene Experimente.

Sie dachte an Land.

Sechs Hektar Land im Wald f�r weniger Geld, als sie auf zwei Kreditkarten schuldete.

Sie dachte an das Privatunternehmen, das wiederholt versucht hatte, es zu erwerben.

Und sie dachte an das Bild der Stahlt�r.

Gewalt und Missbrauch

Nicht etwa, weil es ihr Angst machte.

Weil es teuer aussah.


Zwei Tage nach der Auktion bog Maggie von der Route 18 auf den rissigen Zufahrtsweg ab, der zu ihrem Grundst�ck f�hrte.

Der Truck � ein verblichener blauer Ford F-150, alt genug, um w�hlen zu d�rfen � hustete einmal, fuhr dann aber aus purer Trotz weiter. Regen prasselte gegen die Windschutzscheibe. Douglasien ragten zu beiden Seiten empor, hoch, dicht und dunkel, der Waldboden dicht mit Schwertfarnen und verrottenden Baumst�mmen bedeckt. Je tiefer sie fuhr, desto stiller wurde es. Kein Verkehrsl�rm. Keine summenden Stromleitungen �ber ihr. Keine H�user. Nur der Motor des Trucks, der Regen und ab und zu das Knarren von �sten hoch oben.

Türen und Fenster

Nach etwa einer Viertelmeile brach der Asphalt vollst�ndig auseinander.

Noch eine Viertelmeile, und sie sah das Tor.

Oder was einst ein Tor gewesen war.

Zwei Betonpfeiler standen am Stra�enrand, von moosgef�llten Rissen durchzogen. Auf einem hing ein Tastenfeld offen wie ein aufgerissener Kiefer. Die Metallarme der Sicherheitsschranke lagen verbogen im Graben.

Dahinter bog die Stra�e in einer Kurve bergauf zu einer Lichtung.

Blackwood lag mitten drin wie ein Bunker, den jemand vergeblich zu vergraben versucht hatte.

Geografisches Referenzmaterial

Das Hauptgeb�ude war rechteckig, einst�ckig und aus gegossenem Beton errichtet. Seine langen, horizontalen  Fenster waren von Schmutz schwarz verglast. Ein Gew�chshausfl�gel war an der Ostseite unter dem Gewicht der Jahre nach innen eingest�rzt. Hinter dem Geb�ude erhob sich ein schmaler, leicht gebogener Sendeturm, dessen Antennen zu einem Ger�st verrostet waren. Nahe der R�ckseite stand ein kleineres Blockgeb�ude mit einem Stahlschornstein � vermutlich ein Generatorhaus.

Der Ort wirkte nicht verflucht.

Es wirkte k�nstlich.

Das war irgendwie noch schlimmer.

Maggie parkte, stieg aus und lie� den Regen in ihre Jacke einziehen, w�hrend sie die Atmosph�re auf sich wirken lie�.

Währungen und Devisenkurse

Sie hatte Verfall erwartet.

Sprachressourcen

Sie hatte keine Ordnung erwartet.

Selbst in seinem verfallenen Zustand besa� Blackwood eine Art bewusste Geometrie, als w�re jeder Winkel mit Bedacht berechnet worden. Die B�ume um die Lichtung dr�ngten sich nicht wie sonst �blich um das Geb�ude. Sie umgaben es dicht und wachsam wie in einem fast perfekten Kreis. Auf dem Kiesplatz waren unter dem Moos noch die schwachen wei�en Umrisse der nummerierten Parkpl�tze zu erkennen. Entw�sserungsrinnen verliefen neben dem Betonweg, verstopft, aber noch sichtbar. Wer auch immer diesen Ort erbaut hatte, hatte viel Geld investiert.

�Okay�, murmelte Maggie.

Ihre Stimme klang da drau�en zu schwach.

Sie �ffnete die Ladefl�che des Lastwagens und begann auszuladen, was sie besa�: eine Segeltuchreisetasche, einen roten Werkzeugkasten, ein Feldbett, einen Coleman-Kocher, eine Kiste mit Konserven, zwei Planen, ein Brecheisen, eine Taschenlampe und eine Schrotflinte Kaliber 12, deren Benutzung ihr Vater ihr vor seinem Tod beigebracht hatte.

Türen und Fenster

Dann marschierte sie zur Haust�r.

Der gl�serne Eingangsbereich war von Spinnweben �berzogen, aber intakt. Die T�ren selbst bestanden aus dicken Stahlrahmen mit schmalen Scheiben. Eine war von au�en mit einer Kette verschlossen; das Schloss war so verrostet, dass es unter dem Brecheisen in weniger als zwei Minuten zerbrach.

Die T�r �ffnete sich mit einem langsamen, widerst�ndigen St�hnen nach innen.

Kalte Luft str�mte aus der Dunkelheit im Inneren.

Maggie schaltete ihre Taschenlampe ein.

Staub.

Schreibtische umgesto�en.

Ein Empfangstresen.

Ein Flur, der sich nach links und rechts verzweigt.

Sie griff ein.

Zuerst kam der Geruch � nicht Verwesung, nicht direkt, sondern altes Papier, nasser Beton, Metall und etwas schwach Chemisches, das darunter verborgen lag.

Der Boden der Lobby war mit einem grauen Staubfilm bedeckt, bis auf eine Sache.

Tracks.

Nicht frisch, aber auch nicht uralt.

Stiefelabdr�cke. Mindestens zwei Personen. Vielleicht drei.

Maggie hockte sich hin und strich mit den Fingern dar�ber.

Noch immer scharf an den Kanten.

Jemand war in den letzten Wochen hier gewesen.

Sie stand langsam auf, ihr Puls pochte einmal in ihrer Kehle.

Dann l�chelte sie.

�Gut�, sagte sie zu dem leeren Geb�ude. �Das bedeutet, dass es etwas zu stehlen gibt.�


Die Suche im ersten Stockwerk nahm fast den ganzen Tag in Anspruch.

Maggie ging Raum f�r Raum und markierte die T�ren mit blauem Malerband aus ihrem Werkzeugkasten, damit sie wusste, wo sie gewesen war. B�ros. Labore. Abstellkammern. Pausenraum. Ein Konferenzraum, dessen eine Wand aus verzogenem Kork bestand, an dem noch immer verblasste Karten von Einzugsgebieten und Baumdichtediagrammen hingen. Die meisten Schr�nke waren leer, aber nicht alle.

Sprachressourcen

In einem Archivraum fand sie Regale voller verschimmelter, aufgeweichter Ordner, die zu besch�digt waren, um sie noch lesen zu k�nnen.

In einem Chemielabor fand sie zerbrochene Glaswaren, verrostete Sp�lbecken und seit Jahrzehnten stillgelegte, verschlossene K�hlger�te vor.

Im Gew�chshausfl�gel fand sie zusammengebrochene Stahlrahmen unter Schichten von zerbrochenem Sicherheitsglas und Unkraut, das durch B�nke wuchs, auf denen noch immer Probenbeh�lter in ordentlichen Reihen standen.

Als sie genauer hinsah, bemerkte sie �berall Spuren eines �berst�rzten Aufbruchs. Abgerissene Etiketten an Schubladen. Wandanker, wo Ger�te entfernt worden waren. Leere Serverracks. Offene, leerger�umte Aktenschr�nke. Es wirkte weniger wie ein verlassener Ort, sondern eher wie ein entv�lkerter.

Als ob jemand alles durchgegangen w�re und nur das mitgenommen h�tte, was er f�r wichtig hielt.

In der N�he des hinteren Flurs fand sie die Stahlt�r von dem Foto.

Es war nicht drau�en, wie sie zun�chst angenommen hatte. Das Foto des Landkreises musste durch eine zerbrochene Seitenwand aufgenommen worden sein. Die T�r befand sich in einer Stahlbetonwand am Ende eines kurzen Korridors hinter den ehemaligen Tierunterk�nften. Schwer, rund und massiv wie ein U-Boot, hatte sie ein Handrad in der Mitte und ein verblasstes Schild daneben.

Geografisches Referenzmaterial

ZUGANGSBERECHTIGUNG�DER STUFE B ERFORDERLICH

Maggie wischte mit ihrem �rmel den Schmutz von dem Plakat.

�Stufe B�, las sie laut vor.

Das Rad bewegte sich nicht.

Es gab kein Tastenfeld mehr, nur noch freiliegende Kabel.

Die T�r war versiegelt.

Sie wich zur�ck und richtete dann ihre Taschenlampe auf den Boden.

Kein Staub.

Jedenfalls nicht viel.

Jemand war diesen Flur erst vor kurzem durchquert worden als die anderen.

In jener Nacht kampierte sie in der Eingangshalle unter einer Plane, die sie unter dem am wenigsten besch�digten Teil der Decke befestigt hatte. Wind pfiff durch kaputte L�ftungsschlitze. Regen prasselte �ber ihr. Sie w�rmte Chili aus der Dose auf dem Campingkocher auf und a� es mit einem Plastikl�ffel direkt aus dem Topf.

Drau�en waren im Dunkeln leise Klickger�usche aus dem Wald zu h�ren.

Ein Ast klopfte ans  Fenster.

Türen und Fenster

Zweimal.

Andererseits.

Maggie setzte sich mit dem L�ffel in der Hand auf.

Nichts.

Trotzdem griff sie nach der Schrotflinte und legte sie neben das Kinderbett.

Um halb zw�lf, gerade als sie einzuschlafen begann, blitzten Scheinwerfer �ber die Wand der Lobby.

Sie erstarrte.

Die Lichter zogen vorbei, verschwanden und kamen dann wieder.

Auf der Zufahrtsstra�e befand sich ein Fahrzeug.

Es geht langsam voran.

Anhalten.

Schon wieder Umzug.

Maggie rollte lautlos von der Liege und kauerte sich unter den Empfangstresen, die Schrotflinte in beiden H�nden, ihr Herz pochte so heftig, dass es weh tat.

Der Motor ging aus.

Die T�ren �ffneten sich.

Fu�spuren auf nassem Kies.

Dann Stimmen � m�nnliche, leise, zu weit entfernt, um Worte zu verstehen.

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Ihr Mund war ganz trocken.

Ein Lichtstrahl glitt �ber die Fenster der Lobby.

Dann noch einer.

Sie umkreisten das Geb�ude.

Maggie duckte sich tiefer und hielt den Atem an.

Einer der Balken blieb an der Kette der Haust�r h�ngen, die sie an diesem Morgen zerbrochen hatte.

Eine Stimme, jetzt n�her: �Sie ist hier.�

Türen und Fenster

Eine andere Stimme antwortete: �Der Boss hat gesagt, wir sollen sie nicht anfassen, es sei denn, sie sieht zu viel.�

Maggies Griff wurde so fest, dass ihre Kn�chel brannten.

Der Lichtstrahl der Taschenlampe entfernte sich.

Eine Minute sp�ter h�rte sie an der R�ckseite des Geb�udes ein metallisches Klirren.

Dann zerbrach das Glas.

Sie gingen hinein.

Sie stand auf.

Jeder Teil von ihr wollte verborgen bleiben, bis sie weg waren.

Aber es war nun ihr Geb�ude.

Ihr Land.

Ihre letzte Chance.

Maggie schlich sich im Dunkeln durch die Lobby, hielt sich geduckt und huschte in den Seitengang, der zum Gew�chshausfl�gel f�hrte. Mondlicht fiel durch die zerbrochenen Paneele. Sie konnte sie jetzt drinnen h�ren � Stiefel, die auf Glas knirschten, Schubladen, die sich �ffneten, eine Schrankt�r, die zuschlug.

Zwei M�nner.

Vielleicht drei.

Sie erreichte den Schatten der Gew�chshauswand und sah sie.

Einer gro�, einer schlank. Beide in dunklen Regenjacken. Beide mit Taschenlampen. Der Gro�e hebelte an den Bodengittern nahe des Bew�sserungsgrabens. Der Schlanke durchsuchte B�nke.

�Nichts�, sagte der Schlanke. �Alles wie vorher.�

�Warum hat Voss uns dann zur�ckgeschickt?�

�Weil der K�ufer aufgetaucht ist. Das bedeutet, dass die Eigentumsverh�ltnisse gekl�rt sind. Das bedeutet, dass, falls sich noch etwas auf dem Gel�nde befindet, jemand zuf�llig darauf sto�en k�nnte.�

Voss.

Der Name bedeutete noch nichts, aber Maggie schloss ihn weg.

Der gro�e Mann grunzte und riss an einem Gitterrost. �Nun ja, wenn es nicht unter Beton liegt, ist dieser Ort komplett leerger�umt.�

Gewalt und Missbrauch

Maggie trat aus dem Schatten und lud die Schrotflinte durch.

Der Schall hallte durch das Gew�chshaus.

Beide M�nner zuckten herum.

�Lass es gut sein�, sagte Maggie.

Sie starrten sie an.

Sie war schlammbedeckt, �berm�det und trug �ber mehreren Schichten Thermokleidung eine alte Flanelljacke, aber in diesem Moment hatte sie sich noch nie so sicher gef�hlt.

�Dieses Grundst�ck geh�rt mir�, sagte sie. �Sie haben zehn Sekunden Zeit, es zu verlassen.�

Der hagere Mann hob langsam seine leeren H�nde. �Ganz ruhig. Wir sind nur Vermesser.�

�Um Mitternacht?�

�Wir haben auf Verunreinigungen gepr�ft.�

�Mit einem Brecheisen?�

Das Gesicht des gro�en Mannes verh�rtete sich. Er begann, sein Gewicht zu verlagern.

Maggie richtete den Lauf auf seine Brust.

�Versuch�s doch mal.�

Drei lange Sekunden lang r�hrte sich niemand.

Dann packte der schlanke Mann den �rmel seines Partners. �Los geht�s.�

Der gro�e Mann spuckte auf den Boden.

�Du hast dir �rger eingebrockt, meine Liebe.�

�Und Sie begehen Hausfriedensbruch.�

Sie kehrten auf demselben Weg zur�ck, auf dem sie gekommen waren.

Am zerst�rten Seiteneingang blieb die hagere Gestalt stehen und blickte sie mit einem Anflug von Mitleid an.

�Du solltest verkaufen, solange du noch kannst.�

Dann waren sie verschwunden.

Maggie lauschte dem leisen Ausklingen des Motors die Stra�e entlang, bevor sie die Waffe senkte.

Ihr Puls raste, die aufgeschobene Angst lie� ihre H�nde zittern. Doch unter der Angst verbarg sich etwas St�rkeres.

Sicherheit.

Hier war etwas.

Und ein gewisser Voss wollte es unbedingt so sehr, dass er mitten in der Nacht M�nner in ein zum Abriss freigegebenes Geb�ude schickte.

Maggie schlief vor Tagesanbruch h�chstens eine Stunde.

Bei Tagesanbruch fuhr sie nach Briar’s Fork und ging direkt zum Sheriffb�ro.


Das Sheriffb�ro von Briar’s Fork befand sich in einem ehemaligen Eisenwarenladen mit gr�nen Zierleisten und einem leicht schief stehenden Fahnenmast. Drinnen sa� ein etwa zwanzigj�hriger Deputy am Empfang, der halb verschlafen wirkte, bis Maggie bewaffnete Eindringlinge in Blackwood erw�hnte. Dann wurde er hellwach und verschwand im Hinterzimmer.

Sprachressourcen

Die Sheriffin selbst kam heraus.

Sie war Ende f�nfzig, breitschultrig, mit silbernem Haar, das straff im Nacken zusammengebunden war, und einem Gesicht, das keine Mimik verschwendete. Auf ihrem Namensschild stand�SHERIFF ELENA ALVAREZ�.

�Sie sind die Frau, die Blackwood gekauft hat�, sagte sie.

�So etwas verbreitet sich schnell.�

�In dieser Stadt? Schneller als der Verstand.�

Maggie erz�hlte ihr, was passiert war.

Mensch und Gesellschaft

Alvarez h�rte zu, ohne zu unterbrechen, und fragte dann: �Bekommen Sie ein Kennzeichen?�

« NEIN. »

�Erkennen Sie die M�nner?�

« NEIN. »

�Haben sie Sie direkt bedroht?�

�Der eine sagte, ich h�tte mir �rger eingebrockt. Der andere riet mir zu verkaufen.�

Die Sheriffin verschr�nkte die Arme. �Ich kann Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstatten. Ich werde einen Beamten bitten, die Stra�e h�ufiger zu kontrollieren. Aber solange ich sie nicht auf Ihrem Grundst�ck erwische oder Sie sie nicht identifizieren k�nnen, kann ich nicht viel tun.�

�Und was ist mit Voss?�

Alvarez’ Gesichtsausdruck ver�nderte sich nur geringf�gig. �Was ist mit ihm?�

�Einer der M�nner nannte den Namen.�

Der Sheriff blickte einen Moment lang zum  Fenster vor dem Haus, bevor er antwortete.

Türen und Fenster

�Dalton Voss ist Inhaber von Voss Timber & Water. Holzf�llerei, Landerschlie�ung, private Zufahrtsstra�en, einige Vertr�ge zur Abf�llung von Quellwasser im Osten. Sein Vater war fr�her in Kreisr�ten t�tig, als Blackwood gebaut wurde.�

�War er derjenige, der immer wieder versucht hat, das Labor zu kaufen?�

Alvarez antwortete nicht direkt. �Er kauft viele Dinge.�

�Das ist keine Antwort.�

�Nein�, sagte der Sheriff ruhig, �es ist der, den ich Ihnen gebe.�

Maggie atmete durch die Nase aus. �Er kann also M�nner auf mein Land schicken, und du zuckst nur mit den Achseln?�

Alvarez’ Blick wurde sch�rfer. �H�ren Sie gut zu, Ms. Cole. Leute mit Geld hier versuchen gern, ihre W�nsche legal erscheinen zu lassen. Manchmal gelingt es ihnen, manchmal nicht. Wenn Voss Ihr Grundst�ck will, f�ngt er mit Angeboten an. Dann setzt er Sie unter Druck. Wenn er glaubt, dass auf dem Land etwas Wertvolles ist, wird er nicht aufh�ren, nur weil Sie Anzeige erstattet haben.�

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�Was soll ich denn dann tun?�

�Entweder verkaufst du es�, sagte der Sheriff, �oder du findest heraus, warum er es haben will.�

Sie schob eine Karte �ber den Schreibtisch.

�Wenn Sie noch etwas h�ren oder sehen, rufen Sie mich bitte direkt an. Und noch etwas.�

« Was? »

Alvarez hielt Maggies Blick stand.

�Wenn du einen Grund zum Graben findest, tu es nicht allein.�


Gegen Mittag unterbreitete Dalton Voss sein erstes Angebot.

Maggie ersetzte gerade eine zerbrochene Scheibe in der Lobby durch Sperrholz, als ein schwarzer Gel�ndewagen, blitzblank wie ein neuer Sarg, auf die Lichtung rollte. Der Mann, der ausstieg, entsprach genau ihren Erwartungen und wirkte irgendwie noch schlimmer � Mitte vierzig, teure Stiefel, dunkler Wollmantel, ein gepflegter Bart, dessen Spitzen bereits silbergrau waren, und die geschliffene Selbstsicherheit eines Mannes, dem noch nie ein Nein entgegengebracht worden war und der deshalb glaubte, dass ihm das auch nie widerfahren sollte.

Gewalt und Missbrauch

Er l�chelte schon, bevor er sie �berhaupt erreicht hatte.

�Frau Cole. Dalton Voss.�

Sie blieb auf der Leiter. �Hast du heute ein Brecheisen mitgebracht, oder ist das ein h�flicher Besuch?�

Sein L�cheln wich nicht. �Ich entschuldige mich f�r jegliches Missverst�ndnis von gestern Abend. Meine Handwerker haben ihre Anweisungen �bertroffen.�

�Sie sind in mein Geb�ude eingebrochen.�

�Ja. Deshalb arbeiten sie nicht mehr f�r mich.�

Maggie musste sich ein Lachen verkneifen. �Du willst, dass ich dir das glaube?�

�Ich gehe davon aus, dass Sie verstehen, dass l�ndliche Anwesen zu Verwirrung f�hren k�nnen, insbesondere wenn sich die Eigentumsverh�ltnisse schnell �ndern.�

Er blickte sich in der Lobby um, als w�rde er alte M�bel bei einem Nachlassverkauf begutachten.

�Ich komme gleich zur Sache. Blackwood ist unbewohnbar. Der Landkreis hat die Sanierungskosten falsch dargestellt. Das Geb�ude ist baulich in schlechtem Zustand, �kologisch bedenklich und kilometerweit von jeglicher Infrastruktur entfernt. Ich bin bereit, Ihnen diese Last zu ersparen.�

Geografisches Referenzmaterial

�Indem Sie was tun?�

�Ich kaufe es Ihnen ab.� Er zog ein gefaltetes Papier aus seiner Manteltasche. �F�nfundzwanzigtausend Dollar.�

Maggie starrte ihn an.

Sie hatte dreihundert bezahlt.

Er beobachtete ihre Reaktion und deutete sie f�lschlicherweise als Versuchung.

�Das ist eine angemessene Rendite f�r einen spekulativen Kauf�, sagte er gelassen. �Genug, um Sie wieder auf die Beine zu bringen. Ich kann die Unterlagen bis morgen fertigstellen.�

Währungen und Devisenkurse

Maggie stieg langsam die Leiter hinunter.

�Warum willst du es haben?�

�F�r das Wassereinzugsgebietsmanagement.�

Sie lachte ihm ins Gesicht.

Voss seufzte wie ein geduldiger Mann, der von kindischem Verhalten entt�uscht ist. �Mein Unternehmen besitzt gro�e Grundst�cke rund um dieses Tal. Blackwood ist ein St�rfaktor mitten in einem zuk�nftigen Naturschutzgebiet.�

�Warum schickt man dann M�nner hinein, bevor man ein Angebot unterbreitet?�

Gewalt und Missbrauch

Seine Augen erkalteten.

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