Mein Mann hat einen Kredit aufgenommen, um den Urlaub meiner Mutter zu bezahlen. Er hat mich gezwungen, ihn zurückzuzahlen, und mich dabei als gierig bezeichnet.

Siebentausendvierhundertzwölf Rubel. Swetlana überprüfte zum dritten Mal ihren Kontostand, als ob die Summe noch steigen könnte. Es waren noch neun Tage bis zum Zahltag, der Kühlschrank war leer, Temkas Kindergarten musste bezahlt werden, und Jewgeni hatte heute Morgen gesagt, dass der Vorschuss einbehalten worden war. „Schenja“, rief sie, ohne den Blick vom Telefon zu wenden. „Bist du sicher, dass du gesagt hast, der Vorschuss kommt am zwanzigsten? Wir stehen kurz vor dem Zusammenbruch.“ Jewgeni zuckte auf dem Sofa zusammen, als wäre er ertappt worden. „Na ja … ja. Am zwanzigsten. Vielleicht etwas später.“ Er telefonierte wieder, und Swetlana hatte es in dem Moment nicht bemerkt. „Wir schaffen das schon irgendwie, Sweta. Nicht zum ersten Mal. Wir schaffen das schon irgendwie.“ Sein Lieblingswort. Früher hatte Jewgeni jedes Loch in ihrem Leben geflickt – wie ein Pflaster, das nach einer Stunde abfällt.

Sie lebten sechs Jahre zusammen, heirateten fünf Monate nach Beginn ihrer Beziehung – schnell, aus Liebe. Die ersten Jahre war Swetlana fast glücklich. Jewgeni war freundlich, unkompliziert und lachte gern. Er kochte ihr morgens Kaffee und brachte sie ins Bett. Er arbeitete als Elektriker in einer Wohnungsgenossenschaft und verdiente wenig, aber er hatte ein Händchen dafür, am Wochenende etwas dazuzuverdienen, und das reichte zum Leben. Swetlana arbeitete in Teilzeit als Krankenschwester in der örtlichen Klinik, da ein Job in ihrer Stadt gerade so zum Leben reichte. Sie wohnten in einer gemieteten Zweizimmerwohnung – keiner von ihnen hatte eine eigene Wohnung. Sie sparten für eine Anzahlung auf ein Haus, schafften es aber irgendwie nicht. Sie hatten einen vierjährigen Sohn, Temka, der lebte, und einen Vater mit demselben Lächeln.

Sie hätten ihr Leben weitergelebt. Wäre da nicht Nina Valentinowna gewesen. Jewgenis Mutter war eine jener Frauen, für die ein Sohn kein eigenständiger Erwachsener, sondern eine ewige Erweiterung ihrer selbst war. Früh verwitwet, zog sie Schenja allein auf, und dieses „allein“ wurde zum Hauptargument ihres ganzen Lebens, zum Trumpf, den sie in jeder strittigen Situation ausspielte. „Ich habe dich allein großgezogen.“ „Ich habe alles für dich getan.“ „Wer denn sonst?“ Jewgeni war mit einem tiefsitzenden Schuldgefühl gegenüber seiner Mutter aufgewachsen, und nichts konnte ihn davon heilen. Swetlana verstand das nicht sofort. Zuerst schien es – nun ja, er ist ein fürsorglicher Sohn, was ist daran falsch? Er half seiner Mutter beim Aufhängen der Vorhänge, brachte Essen, reparierte den Wasserhahn. Ganz normal. Doch allmählich nahm das Bild eine andere, beunruhigendere Wendung.

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