Und während ich da stand und meine Autoschlüssel sich in meine Handfläche bohrten, hasste ich mich dafür, dass ich mich fragte, ob ich jemals wirklich gewusst hatte, was das bedeutete.
Das Grausame an Verdächtigungen ist, dass sie die Vergangenheit in Sekundenschnelle umschreiben können.
Elenas müdes Gesicht zeugte nicht länger von langen Tagen und frühen Morgenstunden.
Es war ein Zeichen.
Die langen Ärmel, die sie trotz der Hitze trug, waren keine Gewohnheit mehr.
Sie waren ein Zeichen.
Die Art, wie sie vor dem Schlafengehen duschte, ihr Handy griffbereit hielt, sich an manchen Abenden von mir abwandte, mitten in Gesprächen verstummte – all das reihte sich in meinem Kopf auf wie Zeugen, die darauf warteten, auszusagen.
Gegen Mittag vibrierte ihr Handy, während sie gerade Wäsche zusammenlegte.
Sie warf einen Blick auf den Bildschirm, trat in den Nebenraum und senkte die Stimme.
Ich konnte nur noch einen Satz aufschnappen, bevor sich die Tür zwischen uns halb schloss.
— Dann heute Abend… wenn er schläft.
Das genügte.
Mehr als genug.
Den Rest des Tages habe ich so getan, als wäre alles normal, und zwar so schlecht, dass ich es selbst gemerkt habe.
Beim Abendessen unterhielt sich Sonia über Rechtschreibübungen, während Elena lächelte und nickte, und jedes Mal, wenn ich meine Frau ansah, hatte ich das Gefühl, durch eine Wand zu starren, sicher, dass sich auf der anderen Seite etwas Riesiges befand, aber dennoch unfähig, diese Wand zu durchbrechen.
Elena fragte, ob es mir gut ginge.
Ich sagte, ich sei müde.
Es war die Art von Lüge, die Menschen erzählen, wenn sie noch nicht wissen, wie viel die Wahrheit kosten wird.
Vor dem Schlafengehen hielt ich kurz vor Sonias Tür an.
Ihr Zimmer roch leicht nach Buntstiften und
Babyshampoo.
Sie lag schon unter ihrer Decke, eine Hand unter ihrer Wange.
— Haben Sie ihn wirklich jeden Abend gesehen?
Sie nickte.
— Er kommt, wenn es sehr dunkel ist.
— Hat Mama mit ihm gesprochen?
Sonia dachte einen Moment nach.
– Nicht wirklich.
Sie sah einfach nur traurig aus.
Traurig.