„Stell dir vor, du wärst mein Sohn“, flehte der alte Mann, ohne zu ahnen, dass er Millionär war. „Bitte, und sei es nur für ein paar Minuten, stell dir vor, du wärst mein Sohn.“

„Stellen Sie sich vor, Sie wären mein Sohn“, flehte der alte Mann – ohne zu ahnen, dass er Millionär war.

„Bitte, und sei es nur für ein paar Minuten, stellen Sie sich vor, Sie wären mein Sohn.“

Adrián Montenegro betrachtete den alten Mann mit derselben Vorsicht, mit der er einen Vertrag vor der Unterzeichnung prüfte.

Der Mann saß weiterhin auf einer Bank vor der Residenz Los Arrayanes in einer ruhigen Straße in Coyoacán. Er trug eine abgetragene graue Jacke, sorgfältig geputzte Schuhe und einen blauen Schal, der an diesem Dezembermorgen etwas zu hell wirkte.

Adrián war 53 Jahre alt und leitete eines der wichtigsten Bauunternehmen in Mexiko-Stadt. Er war an Treffen mit Investoren, an Grundstücke im Wert von Millionen und an Entscheidungen gewöhnt, die das Gesicht eines ganzen Viertels verändern konnten.

Er war es jedoch nicht gewohnt, von einem Fremden gebeten zu werden, sich als sein Sohn auszugeben.

„Ich glaube, Sie verwechseln mich mit jemand anderem.“

„Nein, Herr Montenegro. Darauf habe ich drei Tage gewartet.“

Adrián umklammerte seinen Aktenkoffer fester.

„Woher wissen Sie, wer ich bin?“

„Ihr Foto war in der Zeitung anlässlich der Restaurierung des Kaiserlichen Theaters. Außerdem wurde mir erzählt, dass er manchmal nachmittags hier entlanggeht.“

Das stimmte. Seit dem Tod seiner Frau irrte Adrián nach der Arbeit ziellos umher. Wenn er zu früh in seine Wohnung zurückkehrte, fand er dort einen Tisch für zwei Personen, ein unbespieltes Klavier und die Stille eines ungenutzten Kinderzimmers vor.

„Wozu brauchen Sie ein Kind?“

Der alte Mann senkte den Blick.

„Mein Name ist Eusebio Robles. Ich bin 79 Jahre alt und lebe hier mit meinem jüngeren Bruder Samuel. Er leidet an einer Krankheit, die ihm sein Gedächtnis raubt.“

Adrián betrachtete das Gebäude.

„Alzheimer?“

Eusebio nickte.