Deutsch:
Um 12:30 Uhr war die Whitaker-Gala auf dem Papier nichts weiter als ein leerer Saal und eine stille Einfahrt.
Doch die Whitakers wussten nichts davon.
Sarah sah auf ihr Handy.
Drei ungelesene Nachrichten von Jessica.
Jess: Hey, Schwesterherz! Mama hat gesagt, dass du nicht zum Abendessen kommst. Schade! Kannst du dem Fotografen sagen, dass er meine Schokoladenseite erwischt? Und könntest du mir noch 500 Dollar für Maniküre und Pediküre überweisen? Ich muss perfekt aussehen!
Sarah antwortete nicht.
Sie schaltete ihr Handy aus.
Nicht auf lautlos.
Aus.
Sie verließ ihr Büro, nahm ein Taxi und fuhr zum Mandarin Oriental.
Für das Wochenende hatte sie eine Spa-Suite gebucht – ein Wellness-Aufenthalt ohne elektronische Geräte.
Als sie eine Stunde später bäuchlings auf der Massageliege lag, umgeben vom Duft von Eukalyptus und Lavendel, stellte sie sich vor, was im Haus ihrer Eltern geschah.
Sie waren voller Vorfreude, probierten ihre Kleidung an, tranken ihren Wein und prahlten vor ihren Freunden.
Sie flogen hoch – auf Flügeln aus Wachs.
Und Sarah war gerade dabei, die Sonne aufgehen zu lassen.
Teil 3: Das leere Festmahl
Samstag, 17:30 Uhr
Whitaker-Anwesen
Im weitläufigen Kolonialhaus, das rechtlich Sarah gehörte, das sie ihren Eltern jedoch „der Fassade wegen“ überlassen hatte, herrschte reges Treiben.
Linda Whitaker stand im Schlafzimmer und kämpfte mit dem Reißverschluss ihres Paillettenkleides.
„Robert! Hör auf, Whisky zu trinken, und hilf mir!“
Robert Whitaker kam herein und richtete seine Fliege.
„Ganz ruhig, Linda. Das wird ein Triumph. Ich habe gehört, der Senator bringt seine neue Frau mit.“
„Wo bleibt eigentlich das Catering?“, fragte Linda und blickte stirnrunzelnd aus dem Fenster. „Sie hätten schon um zwei Uhr da sein sollen. Ich habe noch keinen einzigen Teller klappern hören.“
„Sarah hat ihnen bestimmt gesagt, sie sollen leise aufbauen, damit sie unseren Mittagsschlaf nicht stören“, winkte Robert ab. „Du weißt doch, wie effizient sie ist. Wahrscheinlich hat sie sie über den Hintereingang für das Personal hereingelassen.“
„Stimmt.“ Linda lächelte ihr Spiegelbild an.
„Dieses Mädchen… so nützlich. Ein bisschen langweilig, aber nützlich.“
Unten machte Jessica Selfies in der Eingangshalle.
„Leute! Das Licht hier ist schrecklich! Wo ist das professionelle Beleuchtungsteam, das Sarah versprochen hat?“
Es klingelte an der Tür.
„Ah! Die ersten Gäste!“, rief Robert begeistert. „Die Vorstellung beginnt!“
Er öffnete die schweren Eichentüren.
Draußen standen die Millers, ihre Nachbarn.
„Robert! Linda!“, strahlte Mr. Miller. „Bereit für die Party des Jahres?“
„Aber natürlich! Kommt herein!“, sagte Robert und führte sie in die große Eingangshalle.